Renommierte Autoren und zahlreiche Verlage
Am Sonntag, dem 15. Februar, ist die 24. internationale Buchmesse in Jerusalem eröffnet worden. Das Fellowship-Programm, das es seit der ersten Messe im Jahre 1963 gibt, lädt junge Lektoren, Verleger und Agenten aus der ganzen Welt nach Jerusalem ein, um an der Messe teilzunehmen. Das Programm ist nicht nur darauf ausgerichtet, Nachwuchstalenten der Verlagsbranche Einblick in die israelische Verlagslandschaft zu geben, sondern sie auch in die politischen Vorgänge des Landes einzuführen und mit den touristischen und intellektuellen Highlights des Landes vertraut zu machen. Die Gäste der Messe sind zu allen wichtigen Veranstaltungen eingeladen, so auch zur Verleihung des Jerusalem-Preises, der in diesem Jahr an den japanischen Schriftsteller Haruki Murakami ging.
Ein durchaus beabsichtigter Nebeneffekt des Programms ist, dass sich die internationalen Gäste, die von morgens bis spät abends eine Woche gemeinsam verbringen, besser kennenlernen und ein Netzwerk aufbauen können. Das Programm beginnt mit einem gemeinsamen Bad im Toten Meer und dessen mineralreichem Schlamm — eine Unternehmung, die die Beteiligten miteinander in Kontakt bringt und sie verbindet. Damit die Kontakte auch langfristig Bestand haben, werden alle einstigen Teilnehmer jährlich zu einem gemeinsamen Frühstück auf der Buchmesse eingeladen. Den inhaltlichen Auftakt des Programms, das insgesamt 42 Lektoren und Agenten aus 15 Ländern für eine Woche in Jerusalem zusammenbringt, lieferte der Journalist Gideon Lichfield mit seinem überzeugenden Porträt der widerstreitenden politischen Kräfte, die das Land politisch prägen. Er legte nachvollziehbar dar, wie israelische Politik sich seit 1967 für ihren Wunsch verausgabt, einen jüdischen Staat zu bilden, eine demokratische Regierung zu haben und eine grossisraelische Lösung zu erreichen.
Bemerkenswerte Verlagslandschaft
Für ein so kleines Land wie Israel ist seine Buchlandschaft mit 1452 Verlagen aussergewöhnlich gross. Viele dieser Verlage sind religiöse Verlage, deren Veröffentlichungen nur eine eingeschworene Käuferschicht erreicht, so wie auch manche Orthodoxen nur jene Produkte konsumieren, die von ihrem Rabbinat als koscher aufgelistet werden. Die Jerusalemer Buchmesse hat sich zum Ziel gesetzt, die einander widerstreitenden Stimmen, die die gegenwärtigen intellektuellen Debatten prägen, unter ihrem Dach zu vereinen. So treten auf der Bühne nicht nur allseits angesehene Autoren wie Amos Oz oder David Grossman auf, sondern auch umstrittene Denker wie der Systemkritiker und Pazifist Avraham Burg, ein einstiger Knesset-Abgeordneter, dessen Buch «Hitler bekämpfen» in Israel wochenlang auf der Bestsellerliste stand und eine leidenschaftliche Debatte entfesselte. Mit der Ausnahme von Deutsch ist das Buch inzwischen in alle «grossen» Sprachen übersetzt worden.
Gastland Ungarn
Mit insgesamt 600 Ausstellern, die ihre Bücher in 30 verschiedenen Sprachen auf der Jerusalemer Buchmesse anbieten, ist sie immer noch eine sehr überschaubare Messe. Termine können ganz im Gegensatz zur Frankfurter und zur Londoner Buchmesse spontan und fast auf Zuruf vereinbart werden, und gerade die Verlagsspitzen, die auf den anderen Messen so gut wie nicht erreichbar sind, sind in Jerusalem auch spontan anzutreffen.
Dieses Jahr ist Ungarn Gastland der Buchmesse gewesen, als habe man in Israel die hässlichen antisemitischen Ausfälle vergessen, die die Verleihung des Nobelpreises an Imre Kertész in Ungarn nach sich gezogen hatte. Und so lasen an der Messe auch Autoren wie György Konrád, György Spiro, und Péter Esterházy. Zu wünschen wäre, dass die diesjährige Buchmesse, in deren Rahmen auch palästinensische Autoren wie Sayed Kashua auftraten und lasen, einen Beitrag zum Frieden des Landes leisten könnte, damit der Frieden, der dieses Jahr noch Utopie ist, endlich bald Wirklichkeit wird.