Reiseagenten schockiert über Zeevis Nominierung
Mit dem österreichischen Rechts-Politiker Jörg Haider vergleichen europäische Medien und Reiseagenten an der internationalen Tourismus-Messe in Berlin (ITB) den neuen israelischen Tourismus-Minister Rechawam Zeevi (Ghandi), der für einen Transfer der arabischen Bevölkerung aus Israel und den Gebieten eintritt. Mit 45 Millionen Shekel investiert das israelische Tourismus-Ministerium die Hälfte seines Marketing-Budgets für das laufende Jahr in Anstrengungen, die grossen Reiseorganisationen davon abzubringen, Israel aus ihren Katalogen und Angeboten zu streichen. Nach Angaben von Pini Milo, dem Chef der Marketingabteilung des Ministeriums, konnte bis jetzt nur erreicht werden, dass Israel bis April in den Reisebroschüren aufgeführt bleibt. Sollten die derzeitigen Spannungen aber anhalten, würde, wie Milo in Berlin sagte, die Marketingstrategie zusammenbrechen und man müsste wieder bei Null anfangen. Neben der Investition in die Reise-Grossisten wendet Israel sich mit einem Aufwand von weiteren 50 Millionen Shekel direkt an die Basis und versucht, Touristen wieder nach Israel zu bringen. Nach Angaben von Itai Eiges, dem Generaldirektor des Tourismus-Ministeriums, haben in den letzten drei Monaten des Jahres 2000 nicht weniger als 380000 Ferienreisende ihre geplanten Israelaufenthalte gestrichen. Der Abwärtstrend scheint damit aber noch nicht ausgereizt zu sein. So erklärte in Berlin eine Charter-Gesellschaft, sie werde nach Aqaba und Taba fliegen, aber nicht nach Eilat, und ein auf Kreuzfahrten spezialisiertes Unternehmen gab bekannt, seine Schiffe würden in Beirut anlegen und von dort unter Auslassung des Hafens von Haifa nach Zypern fahren. «Wir werden zusehends isoliert», beklagte sich ein israelischer Reiseagent. Die Flaute scheint nun auch die Pilgerreisen zu erfassen, eine der letzten Festungen des Israel-Tourismus. So glaubt ein auf diesen Sektor spezialisierter deutscher Reiseagent, statt der erwarteten 25000 Gäste im Jahre 2001 nur gerade deren 2000 nach Israel bringen zu können. Reisewarnungen der deutschen Regierung tragen nicht wenig zu dieser negativen Entwicklung bei. Deutsche Reiseorganisationen schätzen, dass im laufenden Jahr statt der üblichen 200000 deutschen Gäste maximal 120000 Israel besuchen werden.
Die ITB habe ihnen kaum Geschäfte gebracht, klagten israelische Reiseagenten in Berlin. Die Kollegen, die sie an ihren Ständen aufsuchten, taten dies vor allem als Ausdruck der Sympathie. «In erster Linie», meinte ironisch ein israelischer Teilnehmer an der Messe, «wollten sie sehen, ob wir noch leben.»
Haaretz