Reich rügt
Prominente Liberale wie der ehemalige Arbeitsminister Robert Reich vermissen vor allem ein «klares und überzeugendes Narrativ», das Obamas Überzeugungen, seine bisherigen Errungenschaften und seine weiteren Ziele in einen grossen Zusammenhang bringt. Während die Wähler vom Weissen Haus keine Erklärung des «Obamaismus» erhielten, hätten die Republikaner längst ein Schreckensbild des Präsidenten gezeichnet, das den Demokraten schade, so Reich. Der Studienfreund von Bill und Hillary Clinton drängt Obama daher, wie Ronald Reagan oder Franklin D. Roosevelt eine Art politisches Glaubensbekenntnis abzulegen, das einzelne politische Initiativen einordnet. Obwohl Obamas Beliebtheitswerte seit Mitte Juli in den negativen Bereich gefallen sind, dürfte er Reichs Rüge kaum ernst nehmen: Obama hat kurz nach seinem Amtsantritt eindrücklich versichert, dass ihm pragmatische Lösungen wichtiger sind als ideologische Grundsätze. [am]