Regierung gibt grünes Licht für umstrittenes Projekt

Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Polen wird den Bau eines umstrittenen Shopping-Centers gegenüber der Stätte des KZ Auschwitz genehmigen. Der Präsident des Projektes in der südpolnischen Stadt Oswiecim soll gesagt haben, das Einkaufszentrum würde den hunderttausenden von Menschen dienen, die jedes Jahr das Museum und die Gedenkstätte von Auschwitz besuchen.
Gedenkstätte und Shopping-Center: Die Ruhe des Gedenkens nicht stören. Foto Keystone

«Wir haben uns den Forderungen der Regierung gebeugt und das Projekt so verändert, dass es den Besuchern des Museums dient», sagt Janusz Marszalek, Präsident der Gesellschaft Maja, die für die Errichtung des Einkaufszentrums gegenüber der Stätte des Nazi-Todeslagers bei Auschwitz verantwortlich ist. Laut den nun bekannt gewordenen Plänen wird das Zentrum ein Restaurant, eine Bank, eine Post und einen Souvenirladen enthalten. Das Center entsteht gegenüber der Strasse, die zu einem für die Besucher des Auschwitz-Museums bestimmten Parkplatz führt. Die Kioske, die heute auf dem Gelände des Museums Erfrischungen und Souvenirs verkaufen, sollen verschwinden. Anfänglich hatte Marszalek daran gedacht, ein auf die Bewohner von Oswiecim zugeschnittenes Mini-Einkaufszentrum zu errichten. Dieses Projekt war aber 1996 gestoppt worden, nachdem jüdische Kreise dagegen protestiert und erklärt hatten, es würde das Andenken an die 1,5 Millionen dort von den Nazis ermordeten Menschen verunglimpfen. 90% der Opfer des KZ Auschwitz waren Juden aus ganz Europa. Die polnische Regierung hat rund um Auschwitz eine Schutzzone errichtet und für die umliegende Gegend einen Entwicklungsplan ausgearbeitet. Unter Hinweis auf die mehr als 500 000 Menschen, die jedes Jahr in Auschwitz den Holocaust-Opfern Tribut zollen, meinten jüdische Persönlichkeiten in Polen, die im neuen Plan Marszaleks’ enthaltenen Dienstleistungen seien notwendig. Dennoch haben das Auschwitz-Museum und andere Kreise ihre Vorbehalte angemeldet. «Restaurant, Souvenirladen usw. sind dort unabdingbar», sagte Stanislaw Krajewski, einer der führenden Juden Polens. «Diese Einrichtungen bestehen bereits innerhalb des Museums oder unmittelbar bei seinem Eingang.» Das Maja-Projekt würde die Situation verbessern, fügte er hinzu, wobei er aber unterstrich, dass nichts gebaut werden dürfe, das nicht Bestandteil des allgemeinen Entwicklungsplans für die ganze Gegend sei. Da dieser Plan noch nicht vorliege, widersetze sich die Direktion des Auschwitz-Museums dem Maja-Projekt, und man müsse Verständnis für diese Haltung haben. Jta