Recht gegen Geschichte
Die Entscheidung gegen die Rückgabe wird mit dem Testament der 1925 verstorbenen Adele Bloch-Bauer, Gattin des Prager Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer, begründet. Der entscheidende Satz lautet: «Meine zwei Porträts und die vier Landschaften von Gustav Klimt bitte ich meinen Ehegatten nach seinem Tode der österreichischen Staatsgalerie in Wien - zu hinterlassen.» Die Bilder befinden sich heute tatsächlich in der österreichischen Staatsgalerie im oberen Belvedere und stellen Kernstücke der Sammlung dar.
1926, ein Jahr nach Adeles Ableben, berichtet ihr Schwager, Ferdinands Bruder, Gustav Bloch-Bauer, in einem Schreiben an das zuständige Bezirksgericht von der Erfüllung des Testaments und nimmt auf die Schenkung an die österreichische Galerie bezug als von der Erblasserin an ihren Gatten gerichtete Bitten, «die dieser getreulich zu erfüllen verspricht, wenn sie auch nicht den zwingenden Charakter einer testamentarischen Verfügung besitzen». Und er hält ausdrücklich fest: «Bemerkt sei, dass die erwähnten Klimt-Bilder nicht Eigentum der Erblasserin, sondern des erblasserischen Witwers sind.»
Zehn Jahre später, 1936, übergibt Ferdinand Bloch-Bauer eines der sechs in Adeles Testament angeführten Bilder an die Galerie. Die Widmung lautet auf Adele und Ferdinand Bloch-Bauer.
1938 gelang Ferdinand die Flucht über Tschechien, und er lebte bis zu seinem Tod 1945 in einem Zürcher Hotel. Zu seinen Universalerben - sein Vermögen war ihm von den Nationalsozialisten geraubt worden - setzte er zwei Nichten und einen Neffen ein. Die fünf verbliebenen Klimt-Gemälde, die sich die Nationalsozialisten ebenfalls unter den Nagel gerissen hatten, erwähnte er nicht mehr. Und wie seine letzte noch lebende Nichte und Anspruchsberechtigte aus dem Nachlass Bloch-Bauer, die 83jährige Maria Altmann aus Kalifornien, kann sich gar nicht vorstellen, dass er nach seinen Erlebnissen mit den Nationalsozialisten eine Schenkung vornehmen hätte wollen.
Für den Beobachter hat es den Anschein, als würde die Verweigerung der Rückgabe weniger den Kunstmäzenen Bloch-Bauer, sondern vielmehr den Nationalsozialisten und ihrer Ideologie gerecht werden, und Österreich, anstelle einer endgültigen und gerechten Restitution eine weitere Verstrickung in die vor 54 Jahren abgeschlossen geglaubten Nazi-Raubzüge anstreben. Maria Altmann wird einen - anderen - Teil aus dem Vermögen ihres Onkels erhalten: 16 Klimt-Zeichnungen und 19 Einzelstücke aus der berühmten Porzellansammlung. Diese Kunstgegenstände wurden den Erben nach 1945 für die Ausfuhrbewilligung anderer Kunstwerke aus dem damals rückgestellten Vermögen abgepresst.