Rabbiner verurteilen Anschlag auf Moschee

Von Andreas Schneitter, October 12, 2011
Der New Israel Fund will Rabbiner weltweit dazu bringen, per Online-Erklärung den Brandanschlag auf eine Moschee in Israel zu verurteilen. In der Schweiz sind die Reaktionen verhalten.

Die Botschaft sei simpel, steht in einem Aufruf von New Israel Fund (NIF): «Eine Moschee niederzubrennen ist falsch. Es ist nicht jüdisch.» Vor wenigen Tagen zündeten jüdische Extremisten in Tuba-Zangaria, einem Beduinendorf im Norden Israels, eine Moschee an, verbrannten mehrere Koranbücher und beschmierten die Wände mit rassistischen und Gewalt androhenden Slogans. Die Tat wurde nicht nur vom israelischen Präsidenten Shimon Peres und von Regierungschef Binyamin Ne­tanyahu scharf verurteilt, auch die beiden israelischen Oberrabbiner Yona Metzger und Shlomo Amar besuchten das Dorf und missbilligten den Anschlag deutlich (vgl. tachles 40/2011). Ihnen sollen Rabbiner in der ganzen Welt folgen: NIF mit Sitz in New York hat eine Online-Petition gestartet, adressiert an Rabbiner und «Repräsentanten von Synagogen in der ganzen Welt», die den Anschlag nicht nur verurteilt, sondern als Verletzung der Werte des Staates Israel kritisiert. Die Unabhängigkeitserklärung Israels garantiere «den Schutz der Heiligkeit und Unverletzbarkeit aller religiösen und heiligen Stätten in Israel», steht im Text.

Das Vorhaben findet Anklang: Aufgeschaltet vor wenigen Tagen, haben – so der Stand zu Redaktionsschluss – knapp 1200 Rabbiner die Erklärung unterschrieben, in der grossen Mehrheit US-Amerikaner. Eine Umfrage von tachles zeigt: auch Rabbiner in der Schweiz haben den Aufruf erhalten, unterzeichnet hat ihn bisher Ruben Bar-Ephraïm, Rabbiner der Jüdischen Liberalen Gemeinde Zürich. Gebetshäuser zu schädigen «finde ich ein sehr schlimmes Verbrechen. Als in NS-Deutschland Bücher verbrannt wurden, sagte man: als nächstes werden Menschen verbrannt, und wir wissen, was danach geschah.» Yaron Nisenholz, Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel, stellt sich deutlich gegen Anschläge auf Gotteshäuser, «dafür gibt es keine Rechtfertigung. Allerdings hat der NIF ein klares politisches Profil. Und als Rabbiner einer Einheitsgemeinde bevorzuge ich es, keine Aufrufe einer politischen Organisation zu unterschreiben.» Ausserdem befremde es Nisenholz, dass bei der versuchten Zerstörung von Gebäuden internationale Aufrufe initiiert werden, «zu den Attentaten auf israelische Familien in den vergangenen Monaten (die gemäss israelischen Medienberichten als Grund für den Anschlag vermerkt wurden, Anm. d. Red.)  konnte ich keine internationalen Aufrufe registrieren.»

Noch nicht gelesen haben die Anfrage Michael Goldberger, Rabbiner der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, und David Polnauer von der Berner Gemeinde. Polnauer behält sich vor, die Anfrage und insbesondere den Tonfall der Formulierung zuerst gründlich zu studieren, stimmt in der Sache – «es ist eine Schande!» – aber dem Aufruf zu. Ebenso Goldberger: «Selbstverständlich und ohne zu zögern verurteile ich solche Anschläge», sagt Goldberger, «gleichzeitig hege ich auch die Erwartung, dass umgekehrt sich geistliche Vertreter anderer Religionen bei Anschlägen auf jüdische Gotteshäuser zu denselben Verurteilungen bekennen.» Das sei keine Voraussetzung für seine Unterzeichnung der Petition, betont Goldberger, «aber eine Hoffnung». Einzig bei der streng orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich wollte man sich zur NIF-Aktion öffentlich nicht äussern: «Keine Zeit und kein Kommentar», sagte Rabbiner Chaim Levy am Telefon.