Provokationen und Gewalt
Bereits während des Spiels, das der FC Industrie Turicum mit 9 zu 0 Toren gegen den Racing Club Zürich gewann, kam es zu gegenseitigen Provokationen: So soll der Torschütze des FC Industrie vor der Ersatzbank seines Gegners, dessen Spieler alle beim jüdischen FC Hakoah angemeldet sind, die Hosen heruntergelassen und sein – nicht beschnittenes – Geschlechtsteil gezeigt haben. Der Spieler wurde vom Platz verwiesen, die Stimmung war gereizt. Nach Spielschluss wurde der brasilianische, nicht jüdische Trainer des Hakoah von gegnerischen Spielern und Fans bedrängt und so stark verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er konnte kurz darauf wieder entlassen werden.
Widersprüchliche Aussagen
Der Präsident des FC Industrie Turicum Maurizio Talotti hat sich in einem offenen Schreiben auf der Website des Vereins bei allen Betroffenen entschuldigt. Auf Anfrage von tachles bestätigt er, dass seine Mannschaft so lange zurückgezogen wird, bis der Fall geklärt ist. Er räumt ein, dass es «Provokationen gegeben» habe, «aber längst nicht in diesem Ausmass». Talotti sagt: «Ich möchte das Problem nicht schönreden und werde auch dafür sorgen, dass der Fall geklärt wird.» Nach seiner Aussage habe es aber die antisemitisch motivierten Äusserungen, die auch im «Blick» publiziert wurden, in dieser Form nicht gegeben. Dass es nicht vertretbar ist, eine Person – aus welchen Gründen auch immer – verbal und auch körperlich anzugreifen, steht für Talotti allerdings auch ausser Frage.
Ein Schiedsgericht entscheidet
Der Fussballverband Region Zürich hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. Der Leiter des Spielbetriebs Willy Scramoncini erläutert gegenüber tachles, dass der Verband nun beide Vereine sowie den Schiedsrichter schriftlich befragt: «Er wird unsere Hauptperson sein», so Scramoncini. Auch der Polizeibericht werde abgewartet, und schliesslich entscheide ein Schiedsgericht über den Vorfall. Wie lange es dauert, bis der Fall geklärt und Massnahmen oder Bestrafungen festgelegt sein werden, ist noch offen. Fest steht zurzeit nur, dass die gesamte Mannschaft des FC Industrie bis auf Weiteres nicht auf dem Platz stehen wird. Der FC Hakoah wartet die Resultate der Untersuchungen ab und schreibt auf seiner Website: «Wir zeigen null Verständnis für und verurteilen jede Art von Gewalt und Aggression, die sich vor, während und nach einem Fussballspiel zutragen, und wünschen unserem Trainer viel Kraft und gute Besserung.» Auch der Präsident der Mannschaft, Lionel Blumberg, betont gegenüber tachles vor allem sein Interesse daran, dass der Trainer sich schnell wieder erholt. Ferner liegt ihm daran, dass der Fall aufgeklärt wird: «Ich habe sehr gute Gespräche mit dem Verband geführt und habe grossen Respekt vor den Konsequenzen, die der FC Industrie spontan gezogen hat», so Blumberg. Insgesamt wünscht er sich ein besonnenes Verhalten nach dem Vorfall, damit sorgfältig und gewissenhaft geklärt wird, was sich am vergangenen Sonntag wirklich zugetragen hat, und welche Motive eine Rolle gespielt haben.