Probleme mit Jerusalemer Bauplänen
Lev Levievs Immobilienfirma Africa Israel arbeitet derzeit in der Hauptstadt Jerusalem an sechs Projekten, von denen bisher noch keines fertiggestellt oder verkauft werden konnte. Die gesamte Investitionssumme beträgt 500 Millionen Schekel. Nir Barakt, der neue Bürgermeister von Jerusalem, und seine Stadtverwaltung bringen Africa Israel in Schwierigkeiten. Die Stadtverwaltung ist offenbar nicht bereit, jedes Bauprojekt unbesehen zu genehmigen, und hat von den Initianten eine Redimensionierung der Pläne verlangt.
In den vergangenen Jahren hat Africa Israel Land in Jerusalem erworben, wobei man auf einen rasch expandierenden Liegenschaftenmarkt mit steigenden Preisen vertraute. Darüber hinaus setzte man auch auf den damaligen ultraorthodoxen Bürgermeister Uri Lupoliansky, der Leviev zum Vorsitzenden seines wirtschaftlichen Teams für die Förderung der Stadt ernannt hatte. Darüber hinaus sassen zwei wichtige Mitglieder des Stadtrats, die auch als Vizebürgermeister dienten, zufälligerweise im Vorstand von Africa Israel: Shmuel Shkedy, Vizechef der städtischen Planungskommission, und Eli Simchayof, Vorsitzender der städtischen Finanzkommission. Yehoshua Pollak, unter Lupoliansky Vorsitzender der Planungskommission, war ebenfalls aktiv damit beschäftigt, Immobilienzaren zu helfen.
Fehlende Bewilligungen
Africa Israel kaufte Land, das teilweise nicht für den Bau von Wohnungen vorgesehen war. Man begann, Pläne für die Errichtung von rund 1000 Wohneinheiten und verschiedenen Einkaufszentren voranzutreiben, in der Hoffnung, die Unterstützung der Stadtverwaltung für eine Umzonung und eine Erleichterung der Baubeschränkungen zu gewinnen. Für keines der sechs grossen Projekte hat Africa Israel bisher aber eine Bewilligung erhalten.
Nach Ansicht von Jerusalemer Bauunternehmern haben der neue Bürgermeister und seine Stadtverwaltung die bisherige Politik radikal geändert. Zur neuen Koalition im Stadtrat gehört die Grüne Front, deren Vorsitzende Naomi Tzur anstelle von Pollak heute die städtische Planungskommission leitet. Sie wird als treibende Kraft hinter den Problemen für die neuen Projekte angesehen. In den letzten zwölf Jahren hat Naomi Tzur die Jerusalemer Filiale der Israelischen Naturschutzgesellschaft geleitet und dabei den Kampf der grünen Organisationen gegen den sogenannten Safdie-Plan geleitet, der die Expansion von Jerusalem in Richtung Westen vorgesehen hatte. Diese neue Anti-Expansions-Politik diktiert auch Bürgermeister Barakts Vorgehen, und Africa Israel musste entdecken, dass seine früheren Pläne und Projekte nicht mehr rentabel sind. Hinzu kommt, dass die Banken seit einigen Monaten Immobilienunternehmern generell das Leben schwer machen: Man gibt sich sehr zurückhaltend mit Krediten für Entwicklungsprojekte, die problematisch zu sein scheinen. «Wir haben von den Beschlüssen des Stadtrats Kenntnis genommen. Wir werden sie studieren und entsprechend handeln», meinte ein Sprecher von Africa Israel Residences, dem Ableger des Konzerns für den Wohnsektor in Israel.
Zurückgewiesene Projekte
Zu den derzeit stockenden Projekten von Africa Israel in Jerusalem zählen 100 Wohneinheiten in einem neunstöckigen Gebäude mit Schwimmbad, Spa und Geschäften an der Haneviim-Strasse. Bisher hat Africa Israel 130 Millionen Schekel in das Projekt investiert. Zwölf Wohnungen waren bereits verkauft worden, doch die Gesellschaft annullierte die Verträge und retournierte die Gelder. Jetzt spielt man mit dem Gedanken, das Haus in ein Boutique-Hotel umzuwandeln. Ferner hat Africa Israel 139 Millionen Schekel in ein Projekt mit 400 Wohneinheiten im Quartier Arnona im Süden der Stadt investiert. Das Projekt besteht aus zehn- bis 22-stöckigen Häusern, einem Park und einem Einkaufszentrum. Trotz allem hat die Gesellschaft ein Gesuch für Baubewilligungen eingereicht.
In Romema, nahe zur westlichen Einfahrt in die Stadt, hat Africa Israel drittens 93 Millionen Schekel in fünf Häuser mit 150 bis 180 Wohneinheiten investiert. Vor zwei Wochen entschied die regionale Planungskommission, die Bautätigkeit auf 40 Prozent des Landes einzufrieren. Das dürfte das ganze Projekt wirtschaftlich unrentabel machen. Dann hat Africa Israel weitere 64 Millionen Schekel in vier Gebäude mit rund 500 Wohnungen in der Harav-Kook-Strasse im Stadtzentrum investiert. Da die Stätte für Hotels mit einer beschränkten Zahl an Wohnungen und Geschäften vorgesehen war, liegen noch immer keine Baubewilligungen vor.
Schliesslich hat die Gesellschaft 52 Millionen Schekel in ein Projekt im Viertel Rehavia im Stadtzentrum investiert. Im Dezember jedoch lehnte die lokale Planungskommission den Wunsch nach einer Umzonung von Hotels auf Wohnhäuser ab. Der gesamte Plan von Africa Israel für das Projekt wurde effektiv zurückgewiesen.