Oscar für eine ganz besondere Schule
Der Dokumentarfilm «Strangers No More» über eine Tel Aviver Primarschule gewann den Oscar für einen Dokumentar-Kurzfilm. Der Film erzählt die Geschichte von rund 800 Kindern aus 48 verschiedenen Ländern, die in der Bialik-Rogozin-Schule im Süden von Tel Aviv lernen.
Viele der Schüler sind genozidartigen Verfolgungen, Kriegen und Hunger entronnen, haben es nach Israel geschafft, und besuchen in Tel Aviv eine Schule, in der «kein Kind ein Fremder» ist. Der Dokumentarstreifen konzentriert sich auf Schüler – einige von ihnen alteingesessene Israeli, andere Flüchtlinge aus Sudan und weiteren afrikanischen Staaten -, die sich an ihr neues Leben gewöhnen und versuchen, die Schrecken der Vergangenheit zu bewältigen. Der Film gewährt einen Einblick in die Schwierigkeiten, die diese Kinder in ihren Geburtsländern durchleben müssen, wie Armut und politische Verfolgung. Auf der offiziellen Web Site des Films liest man: «Zusammen, mit Hilfe der Verbindung zwischen Lehrer und Schülern, aber auch den Kontakten unter den Kindern selber, finden sie in dieser aussergewöhnlichen Gesellschaft Wege, um sich ein neues Leben aufzubauen.»
Die Regie des Filmes lag bei Karen Goodman und Kirk Simon, die auch für die Produktion verantwortlich zeichneten. Die Simon and Goodman Picture Company der Beiden hat für die Arbeit vier Oscar-Nominierungen und drei Emmy-Auszeichnungen erhalten.
«Viele Dinge machen diese Schule speziell», sagt in dem Film Rektorin Karen Tal, welche die beiden Produzenten an die Zeremonie nach Hollywood begleitet hatte. «Es ist die einzige Schule dieser Art in Israel: Eine staatliche Schule, deren Schüler aus 48 verschiedenen Staaten kommen – Christen, Muslime und Juden zusammen. In unserer Schule heissen wir jedes Kind willkommen, ungeachtet ihrer Herkunft oder Abstammung. Kinder sind Kinder, und im Erziehungswesen existiert so etwas wie «Fremdling» nicht.»
«Der Film handelt von unserer Schule, deren Kinder aus anderen Ländern gekommen sind, wie den Philippinen, Südafrika oder Nigeria. Sie sind alles Muslime, Juden oder Christen, und sie leben in Frieden zusammen.» Esther (Asta) Aikafahi, 12, die das sagt, ist über Nacht zum Star eines mit einem Oscar ausgezeichneten Film geworden. Zusammen mit 120 weiteren Schulkameradinnen und -kameraden von illegal in Israel arbeitenden ausländischen Eltern und total 400 solcher Kinder in Israel droht Esther nun laut Regierungsbeschluss die Deportation. Ihr Vater, Emmanuel Aikafahi: «Wir hatten sehr gehofft, dass der Film gewinnen würde, doch hatten wir nicht damit gerechnet, dass er so viel Aufmerksamkeit erregen würde. Es ist schwer, zwischen solchem Glück und der immer noch wie ein Damoklesschwert über uns hängenden Deportation hin- und hergerissen zu sein.»
Mohamed Adam aus Darfur, der die Schule letztes Jahr abgeschlossen hat, tritt im Film ebenfalls auf. Seine Rolle sichert ihm aber seine Zukunft in Israel nicht. «Ich hoffe, dass nach diesem Film, jedes der mit der Deportation bedrohten Kinder in Israel bleiben kann», sagt er. Das Personal der Bialik-Rogozin-Schule versucht nun, das Beste aus der festlichen Atmosphäre zu machen, die die Auszeichnung des Films geschaffen hat. Auf TV-Bildschirmen im Schulhof läuft der Film permanent für Jene, die ihn noch nicht gesehen haben sollten. Wenigstens für einen Tag ist das Wort «Deportation» ersetzt worden mit Gedanken über Filmruhm und rote Teppiche. «Wir wollen, dass jede Person, die den Film sieht, versteht, wie wunderbar diese Kinder sind, die ihre eigenen Träume haben, ihren Beitrag an die Gesellschaft leisten und in die Armee eintreten wollen», sagte Vizerektorin Mirit Shapira.