Ohne Aufsehen
Yitzchak Levy ist der erste israelische Repräsentant, der seit dem Regierungswechsel die Schweiz besucht. Nach der kurzfristigen Absage des lange angekündigten Besuchs des damaligen Premiers Netanyahu im November 1999 wartete man bisher vergeblich auf einen erneuten Termin eines Staatsbesuchs. Zuletzt strapazierte die Holocaust-Debatte das Verhältnis zwischen der Schweiz und Israel. Seit längerem bereits wird ein Besuch Aussenminister Levys erwartet. Nachdem im Mai 1998 Bundespräsident Cotti auf seiner Nahostreise in Israel gastierte, war ein einst erwarteter Besuch von Bundespräsidentin Dreifuss in Israel nie zu Stande gekommen. Als Levy noch unter der alten Regierung Erziehungsminister war, lud Flavio Cotti ihn zu einem Besuch in die Schweiz ein.
Kontakt zu den Juden der Schweiz
Auch in einem Pressegespräch mit Vertretern der jüdischen Schweizer Medien konnte Levy nicht überzeugend darlegen, was der Grund für seinen Besuch in der Schweiz ist: «In erster Linie geht es mir darum, die jüdischen Gemeinden der Schweiz kennen zu lernen.» Und so verwundert es nicht, dass neben dem zweistündigen Treffen im Bundesamt für Raumplanung ein vorwiegend unpolitischer Termin das Programm bestimmte. Empfangen Minister Levy vom Direktor des Bundesamtes für Raumplanung (BRP), Ueli Widmer. Im Mittelpunkt der Fachdiskussion standen die schweizerische Gesetzgebung und die in der Raumplanung praktizierte Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen. Am Beispiel eines Besuchs der Stadt Thun illustrierte der Berner Regierungsrat Werner Luginbühl «anhand konkreter Beispiele die planerische Herausforderung im Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung des Lebensraumes in der Schweiz», heisst es im Communiqué des BRP. Am Montagabend gab Botschafter Meyer zu Ehren des Ministers einen Empfang. Neben SIG-Präsident Rolf Bloch waren u.a. ICZ-Präsident Werner Rom, JLG-Präsidentin Brigitte Halpern, ICK-Präsident Josef Bollag, IGB-Rabbiner Levinger sowie BRP-Vertreter in die Botschaftsresidenz gekommen. Zuvor traf Levy eine Delegation des SIG mit Präsident Rolf Bloch und den Geschäftsleitungsmitgliedern Simon Bollag, Alfred Donath, Daniel Guttmann sowie Generalsekretär Martin Rosenfeld. Themen waren unter anderem die Jüdischen Gemeinden der Schweiz, die Holocaust-Debatte und der Themenkomplex «Jewish Identity».
Kook und Grüninger
Am Dienstag stand ein privater Besuch in St. Gallen auf dem Programm. Zum einen besuchte Levy die Stiftungsbibliothek, die im Frühjahr die von Levy mitinitiierte Qumran-Ausstellung beherbergte. Zum anderen interessierte sich Levy für den dreijährigen Aufenthalt Rabbiner Kooks während des Ersten Weltkrieges in St. Gallen. Botschafter Mayer veranschaulichte Levy ausserdem, wie Paul Grüninger sich einst für das Schicksal der Juden einsetzte. Der Besuch Levis verdeutlichte, dass in den Beziehungen zwischen Israel und der Schweiz noch einiges nicht zum Besten steht. Ein Treffen mit Bundesrat Deiss wurde gemäss Informationen aus dem Eidgenössischen Departement des Äusseren (EDA) abgelehnt. Das Nachrichtenmagazin «Facts» weist in seiner heutigen Ausgabe darauf hin, dass die Schweiz nicht auf Yitzchak, sondern Aussenminister David Levy wartet.