Offene Fragen

October 9, 2008
Acht Jahre nachdem terroristische Bomben die israelische Botschaft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zerstört hatten, geloben die örtlichen Behörden einmal mehr, die Verbrecher zu finden und der Justiz zu überstellen. Die Fragen nach Hintermännern der Tat bleiben aber vorerst unbeantwortet.

«Für alle Argentinier ist das eine offene Wunde», meinte Staatspräsident Fernando de la Rua an einer Zeremonie aus Anlass des achten Jahrestags des Anschlags auf die israelische Botschaft. An der Stelle, an der das Gebäude gestanden hatte, wurde ein öffentlicher Platz eingeweiht. Neben hunderten von Menschen waren ausser Präsident de la Rua als Zeichen der Solidarität mit den Opfern auch sein ganzes Kabinett an der Zeremonie anwesend, zusammen mit weiteren Offiziellen. Das bedeutet eine Veränderung im Vergleich zur Zeit von Präsident Carlos Menem, der an solchen Veranstaltungen nie teilgenommen hatte. Trotz dieser Geste äusserten sich Vertreter der jüdischen Seite sehr kritisch angesichts der stockenden Untersuchungen. Zu den schärfsten Kritikern zählt Yitzchak Aviran, der scheidende israelische Botschafter in Buenos Aires, der schon mehrere Male das Unvermögen Argentiniens kritisiert hatte, die Verantwortlichen für den Anschlag auf die israelische Botschaft (1992) und das jüdische Gemeindezentrum (1994) zu finden. «Einsatz und Interesse an der Untersuchung», meinte Aviran in seiner Rede an der Zeremonie, «haben sehr zu wünschen übrig gelassen. Viel Beweismaterial ging verloren, und mehr als einmal versuchte man, die Akten zu schliessen. Ich frage mich, ob alle unsere Bemühungen umsonst gewesen sind.» Aviran, der die Hizbollah für beide Anschläge verantwortlich macht, fordert die Gerichte auf, Personen aus der Lokalbevölkerung zu verhören, die an dem Attentat gegen die Botschaft beteiligt gewesen sein konnten. Für die Anschläge macht der Botschafter den in der argentinischen Gesellschaft vorherrschenden Antisemitismus verantwortlich. Nach mehrjähriger Verzögerung gab Argentinien kürzlich die Absicht bekannt, 20 Personen für ihre Rolle beim Anschlag gegen das Gemeindezentrum vor Gericht zu stellen. Was aber die israelische Botschaft betrifft, gibt es immer noch weder Verdächtigte noch Hinweise. Sogar über die Zahl der Todesopfer streitet man sich. Offiziell spricht man immer zwar von 22 Toten, doch in den Medien ist immer von 29 Opfern die Rede, und oft wird auch nicht ausgeschlossen, dass bei dem Anschlag bis zu 40 Menschen umgekommen sind.

JTA