Obama immer beliebter – in Israel

December 6, 2011
Eine neue Umfrage zeigt wachsende Zustimmung für den US-Präsidenten unter jüdischen Israeli.
Ist unter jüdischen Israeli beliebter als unter üdischen Amerikanern: Barack Obama

Gute Nachrichten für Barack Obama: Innerhalb eines Jahres sind seine Beliebtheitswerte dramatisch von 41 auf 54 Prozent gestiegen – allerdings nicht in den USA, sondern unter jüdischen Israeli. Bei den am meisten bewunderten Staatsmännern weltweit rangiert der US-Präsident jedoch hinter Angela Merkel, Bill Clinton und Winston Churchill nur unter Ferner Liefen. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung hervor, die Professor Shibley Telhami vom Sadat-Zentrum der University of Maryland alljährlich gemeinsam mit dem Saban Center des Politikinstituts Brookings unternimmt. Demnach bringen 80 Prozent der jüdischen Israeli den USA zudem generell Sympathie entgegen. Ihre Haltung in beiden Fragen wird vorwiegend von der Nahost-Politik Washingtons bestimmt. Hier wird das Stimmungsbild jedoch diffuser: 39 Prozent der Befragten fühlen sich von Obamas Nahost-Politik «entmutigt», nur 22 Prozent «ermutigt», während die übrigen 35 Prozent zu dieser Frage keine eindeutige Antwort finden konnten.

Dennoch stellt die wachsende Zustimmung für Obama einen bemerkenswerten Gegensatz zu den Problemen des Präsidenten mit jüdischen Wählern in den USA dar. Hatten beinahe 80 Prozent der amerikanischen Juden 2008 für Obama gestimmt, so sind seine Sympatiewerte bei dieser kleinen, aber politisch bedeutsamen Gruppe seit dem letzten Juni von 60 auf 55 Prozent geschrumpft. Dies dürfte jedoch eher die Wirtschaftslage und die Unfähigkeit der Parteien in Washington reflektieren, Kompromisse bei einer breiten Problempalette zu finden.

Telhami und sein Team haben allerdings nur jüdische und arabische Israeli zu einer grossen Anzahl von Probleme befragt. Dazu gehören der arabische Frühling, die nuklearen Anstrengungen Irans, der arabisch-israelische Konflikt und die Lage der arabischen Israeli.

Jüdische Israeli betrachten den arabischen Frühling vorwiegend als Suche der jeweiligen Bevölkerungen nach Würde, Freiheit und einem besseren Leben, betrachten die Folgen dieses demokratischen Erwachens für Israel jedoch mit Skepsis. Allerdings gehen jüdische Israeli meist davon aus, dass eine freiheitliche arabische Welt langfristig positiv für Israel ist. Eindeutig negativ schätzen die Befragten jedoch den Iran ein. 90 Prozent sind überzeugt, dass Teheran irgendwann einmal über Atomwaffen verfügen wird. Nur 43 Prozent befürworten jedoch einen Militärschlag auf diese Anlagen, 41 Prozent sind dagegen.

Was den Palästina-Konflikt angeht, so erwarten 49 gegenüber 42 Prozent der jüdischen Israeli, dass dieser niemals gelöst werden wird. Aber zwei Drittel würden einer Zweistaatenlösung in den – modifizierten – Grenzen von 1967 zustimmen und 71 Prozent unterstützen die Idee, dass Israel seine nicht-jüdischen Bewohnern eine gleichberechtigte Stellung einräumt und der Staat als «Heimatland des jüdischen Volkes und aller seiner Bürger» definiert wird. In Bezug auf arabische Israeli denken 52 Prozent der jüdischen Bürger, derzeit würden diese institutionell und gesellschaftlich benachteiligt. Bei den arabischen Israeli liegt der entsprechende Wert bei 57 Prozent, während 36 Prozent ihre Situation mit der Apartheid gleichsetzen. Und drei Fünftel dieser Bürger lehnen die Definition Israels als jüdischen Staat «unter allen Umständen» ab. [AM]

Die Umfrage im Internet: http://www.brookings.edu/reports/2011/1201_israel_poll_telhami.aspx