Neues Steuersystem in Israel

von Nicole Dreyfus, January 21, 2010
Die Schweizer Freunde der Universität Tel Aviv luden zu einem Vortrag ein, in dem über die Vorteile, ausländisches Kapital in Israel zu versteuern, referiert wurde.
FINANZIELLER ANREIZ Das Einkommen von Einwanderern aus ausländischen Quellen wird während zehn Jahren weder besteuert noch deklariert

Ausländisches Vermögen in Israel versteuern, wie funktioniert das? Davon handelte letzte Woche ein Vortrag, zu dem die Schweizer Freunde der Universität Tel Aviv geladen hatten. Vor versammeltem Fachpublikum, darunter auch Vertreter der Bank Wegelin, die Sponsorin des Anlasses im Zürcher Hotel Hyatt war, referierte Yoram Margalioth, Rechtsprofessor an der Universität Tel Aviv, über das israelische Steuersystem und seine Auswirkungen auf Anlagefonds und Investitionsgesellschaften aus der Schweiz. Bevor sich Margalioth, der unter anderem auch in Harvard lehrte und in Steuerrecht einer der renommiertesten seines Gebiets sein soll, in die Materie vertiefte, zeigte er auf, wie sich Israels Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren verändert hat. In einem Ranking des Internationalen Währungsfonds figuriert das Bruttosozialprodukt (BSP) pro Kopf in Israel auf Platz 31.

Im Vergleich dazu stellte er fest, dass EU-Länder wie Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Polen und Portugal niedrigere BSP-Werte pro Kopf als Israel haben. Allerdings stagniert in Israel der BSP-Wachstumswert pro Kopf. Noch in den sechziger Jahren wuchs Israels Wirtschaft jährlich doppelt so stark wie in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Israels Wachstumswerte liegen aber
immer noch über jenen anderer Industriestaaten. Wachstumseinbrüche waren in Israel vor allem wegen kriegerischen Ereignissen in der ersten Hälfte des neuen Jahrtausends wie beispielsweise wegen der Intifada zu verzeichnen.

Zehn Jahre ohne Steuern

Basierend auf diesen Erkenntnissen erwähnte der Referent auch, dass der qualitativ hohe Grad von wissenschaftlicher Forschung, die in Israel getätigt wird, zur vorrangigen Position von Israel bei Patenten und Copyrights führt. Dies wiederum bringt weitere namhafte Wissenschaftler nach Israel, durch die sich die Lehranstalten auf hohem Niveau weiterentwickeln können. Ausländische Investoren schaffen es, israelischen Professoren oder Ingenieuren Geld zur Verfügung stellen, um deren Erfindungen auf den Markt zu bringen. Das Interesse der Investoren liegt letztlich darin, bei einem späteren Börsengang ihr investiertes Kapital mit Profit zurückzuerhalten. Interessant in diesem Zusammenhang ist zudem die Tatsache, dass es in Israel eine neue Gesetzgebung in Bezug auf Einwanderer, die Vermögen ins Land bringen, gibt. Während zehn Jahren wird das Einkommen des Einwanderers aus ausländischen Quellen weder besteuert noch deklariert. Diesem neuen Gesetz zufolge muss dies aber nach Ablauf dieser zehn Jahren geschehen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Einkommens- oder Kapitalgewinnsteuer fällig, wobei als Erwerbspreis für die Kapitalgewinnsteuer der Wert zum Zeitpunkt des Ablaufs der zehn Jahre eingesetzt wird.

Eine Marktlücke

Als letzten wichtigen Punkt behandelte Margalioth in seinem Vortrag die Besteuerung sogenannter Trusts. Die werden in Israel gemäss seinen Ausführungen nicht besteuert, wenn deren Errichter nicht in Israel wohnt, aber die Begünstigten in Israel ansässig sind. Der Errichter wird auch nicht in Israel besteuert, wenn der Trustee (der Verwalter des Trusts) in Israel ansässig oder berufstätig ist. Die Verwaltung von Trusts könnte den gut ausgebildeten Anwälten in Israel ein weiteres Tätigkeitsgebiet eröffnen und somit eine Marktlücke füllen.