Neues Lehrhaus gegründet

February 11, 2010
Es gibt eine überlieferte Geschichte über Hillel den Älteren, der genau die Sogwirkung von Bildung beschreibt, die zukünftig das neue Stuttgarter Lehrhaus entwickeln soll.

Als er eines Tages nicht zur Unterweisung zugelassen wurde, kletterte er auf das Dachfensterder Synagoge, um von oben den Worten der Rabbiner zu lauschen. Eine ähnliche Begeisterung für das Lernen über die drei monotheistischen Religionen und den Dialog mit ihnen bewegen auch Meinhard Tenné, Ehrenvorsitzender der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, sowie das Ehepaar Lisbeth und Karl-Hermann Blickle seit Jahrzehnten. Jetzt haben sie in Stuttgart dafür eine Institution und einen Ort geschaffen: Die Stiftung für interreligiösen Dialog ermöglicht ein Stuttgarter Lehrhaus. In den gemieteten Räumen des Paul-Gerhardt-Zentrums sol­len in Zukunft, so Karl-Hermann Blickle bei der Eröffnung, «Juden, Christen und Muslime nicht übereinander, sondern miteinander reden». Damit gibt die Stiftung drei Organisationen eine neue Heimat, die schon seit Jahren den interreligiösen Dialog pflegen: das Haus Abraham, das forum jüdischer bildung und kultur und die Arbeitsgruppe Wege zum Verständnis des Judentums der württembergische Landeskirche. Grundlage ist die Idee des Freien Lehrhauses von Franz Rosenzweig, angereichert um den gleichberechtigten Trialog. «Wir wollen Tradi­tionslinien suchen, die die ­Toleranz bedienen», beschrieb der muslimische Sprecher, von Haus Abraham Hakan Turan, den Arbeitsauftrag; und deswegen wird das erste grosse Thema des Lehrhauses die Suche nach einer gemeinsamen Ethik sein. [TA]