Neue Präsidentin der jüdischen Frauen
Der israelitische Frauenverein Zürich hatte eingeladen, und Präsidentin Rowena Hudec begrüsste im Gemeindehaus der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) die Delegierten und Gäste, darunter auch Angela Büchel, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, namens der Gastgeberinnen. Sie erinnerte angesichts des publizierten Wunsches junger SP-Frauen nach Abschaffung der SP-Frauengruppe daran, dass erst 40 Jahre seit der Einführung des Frauenstimmrechts und 30 Jahre seit dem Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung vergangen seien. Sie fragte, ob Frauenvereine zeitgemäss seien, und sie stellte fest, dass der Name punktgenau sei: «Wir vereinen Frauen.»
Eine neue Präsidentin
Claudie Goetschel als Sprecherin des Vorstands des Bunds Schweizerischer Jüdischer Frauenorganisationen (BSJF) und Tagespräsidentin erledigte speditiv die statutarischen Geschäfte (die 88. Delegiertenversammlung wird in Basel stattfinden) und kam dann zum wichtigsten der Traktanden, den Rücktritten und Wahlen. Sie verabschiedete als Erstes Arlette Leitenberg mit herzlichem Dank. Sodann schilderte sie die Situation im Vorstand, der seit dem Rücktritt von Inge-Lise Wormser als Präsidentin des BSJF die Arbeit ohne Präsidium gemeistert habe, weil niemand diese verantwortungsvolle Funktion übernehmen wollte. Doch nun ist es Claudie Goetschel gelungen, Yvette Mottier für das Präsidium zu gewinnen, allerdings nur für ein Jahr. Die promovierte Archäologin, perfekt bilingue, die lange Zeit als Kuratorin die ärchäologische Abteilung des Genfer Musée d’Art et d’Histoire geleitet hatte, wurde bereitwillig zur Präsidentin gewählt.
Anstoss zur Reflexion
Yvette Mottier hatte bereits zu Anfang der Delegiertenversammlung ihr profundes jüdisches Wissen in einem Dwar Thora bewiesen, in dem sie unter anderem darüber sprach, weshalb das Untersagen des Feuermachens als einziges der Arbeitsverbote für den Sabbat in der Thora steht. Viel Feuer zeigte sie in ihrer ersten kurzen Präsidialansprache, in der sie einen Denkprozess zur Erneuerung des BSJF ankündigte, ähnlich jenem im Schweizeischen Israelitischen Gemeindebund (vgl. tachles 19/11). Anfang September soll es einen Tag der Reflexion über die Ziele des BSJF geben. Als weitere Priorität bezeichnete die neue Präsidentin die Aufgabe, eine Persönlichkeit zu finden, die nach ihr für mehrere Jahre die Geschicke der jüdischen Frauenorganisationen in der Schweiz nachhaltig lenken könne. Nach dem Mittagessen gab es einen weiteren Höhepunkt, als Shella Kertész, Co-Präsidentin der ICZ, informativ und humorvoll darüber sprach, weshalb sie es nicht nur im europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit als Privileg betrachte, Gutes zu tun. Sie sagte, dass Wirtschaft und Gesellschaft ohne Freiwillige kollabieren würden und dass die jüdischen Frauen seit jeher die Gemeinschaft tatkräftig unterstützten. Zum Schluss führte die Co-Präsidentin die Gäste durch das neu gestaltete Gemeindehaus, zu dessen Umbau sie massgeblich mit beigetragen hatte.