Neue Position

June 17, 2011
Jill Abramson

Die 57-jährige Harvard-Absolventin Jill Abramson bezeichnet sich als «narbenreiche Veteranin» eines traditionellen, auf Fakten bauenden Journalismus. Nun steht sie vor ihrer grössten Schlacht: Am 6. September übernimmt sie als erste Frau die journalistische Leitung der «New York Times». Das Blatt setzt als Leitme¬dium weiterhin weltweit Massstäbe, kämpft aber wie die gesamte Branche mit den Herausforderungen der digitalen Ära. Die «New York Times» beschäftigt weiterhin 1200 Redaktoren und experimentiert mit einem neuartigen Bezahlmodell für Online-Abonnenten, das sich zu bewähren scheint. Gelöst sind die Probleme der «grauen Lady» damit noch lange nicht. Abramson hat sich ihre Sporen beim «Wall Street Journal» verdient und wechselte 1997 zur «New York Times», wo sie während der Bush-Ära das Washingtoner Büro führte. Heute muss sie die Tradition des «Schuhleder-Journalismus» in das Zeitalter der sozialen Medien holen, also die «graue Tante» in eine nette Freundin verwandeln, ohne dass Leser ihren Respekt verlieren.    [am]