Neue Führung, neue Basis
Nach dem Ableben von Ignatz Bubis war das Präsidium des EJC verwaist. Die ausserordentliche Generalversammlung, an welcher rund 100 Delegierte aus 26 Ländern teilnahmen, wählten ohne Gegenstimme Rechtsanwalt Henri Hajdenberg, Präsident des Verbandes CRIF zum neuen Präsidenten. Er war der einzige Kandidat. In seiner Antrittsrede gedachte er des zu früh verstorbenen Ignatz Bubis und rief zur Einheit und Gemeinsamkeit der Juden Europas auf. Besondere Aufmerksamkeit will er der Unterstützung des Staates Israel, der Jugendarbeit, der Bindung zu den osteuropäischen jüdischen Gemeinschaften und der Stärkung nach Innen widmen. Präsident Hajdenberg wird flankiert durch die bisherigen Vizepräsidenten Rolf Bloch (Schweiz), Vladimir Goussinsky (Russland) und dem neugewählten Vizepräsidenten Michel Friedmann (Deutschland). Die 9-köpfige Exekutive bleibt unverändert.
Neufassung von Statuten und Zweckartikel
Der Start des neuen Präsidenten fiel sinnvollerweise zusammen mit den von der Versammlung verabschiedeten neuen Statuten, die seit langer Zeit unrevidiert blieben. Darin sind Strategie und Aufgaben des EJC umfassend definiert. Die neue Verfassung war in ausgiebiger Kommissionstätigkeit unter der Leitung von Michael Kohn ausgearbeitet und dann in der Exekutive mit wenigen Ergänzungen genehmigt worden. Vizepräsident Bloch verdankte die Arbeit seines Schweizer Kollegen. Dieser gestand der JR gegenüber, dass es in einer heterogenen jüdischen Institution mit stark divergierenden Vorstellungen nicht leicht gewesen sei, einen Konsens zu finden. «Auch der relativ kleine SIG laboriert seit Jahren an einer neuen Organisationsstruktur», ruft Kohn in Erinnerung.
Jüdische Dauerthemen
Neben der Bekämpfung des wachsenden Rassismus und der Gefahr des Substanzverlusts der kleinen jüdischen Gemeinden europaweit waren der Verteilschlüssel und Ablauf im Zusammenhang mit dem Schweizer Bankendeal von 1,25 Milliarden Dollar zentrales Thema. WJC-Generalsekretär Israel Singer orientierte über die geplanten Modalitäten. Rasche Lösungen würden allerdings erleichtert, wenn die europäisch-jüdischen Institutionen und Gemeinschaften gegenüber Richter Kormann zu einem koordinierten Vorgehen fänden. Im Moment sei die Angelegenheit noch im Fluss. Ein festliches Dinner auf Einladung des Weltkongresses mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Roman Prodi, als Ehrengast bildete den gesellschaftlichen Höhepunkt.