Nach zehn Jahren endlich Wirklichkeit?
Jerusalems neuer Bürgermeister Nir Barkat gab kürzlich die Wiederaufnahme der Planungsarbeiten für das Projekt einer Sport- und Kulturhalle neben dem Fussballstadion «Teddy» im Süden der Stadt bekannt. Das Projekt ist zwar schon zehn Jahre alt, doch wurde es aus finanziellen Gründen immer wieder auf die lange Bank geschoben. Einmal vollendet, soll die Halle der modernste Sportkomplex in ganz Israel sein.
Die Ankündigung des Bürgermeisters hat Begeisterung unter den Sportfans der Stadt ausgelöst, vor allem unter den Anhängern des Basketballvereins Hapoel Jerusalem. Und Arthur Spector, der Architekt des Stadions, sagt, sowohl der vorgesehene Standort als auch die beabsichtigte hochqualitative Ausführung des Baus würden aus der Halle ein kleines Olympia-Zentrum machen. Andere Kreise sind dagegen nicht sicher, ob sich das Projekt für die Stadt eignet. Auch Pepe Alalu von der Kulturabteilung der Stadt überzeugen derartige Zusicherungen nicht. Er stimmte letzte Woche im Rat gegen die Halle, die nicht das sei, was die Stadt wirklich brauche. «Nicht alle Bevölkerungsteile Jerusalems werden von der Halle profitieren», so Alalu. Es findet es besser, in kleinere Projekte in den verschiedenen Wohnquartieren zu investieren. «Würde die Halle, wie ursprünglich geplant, 120 Millionen Schekel kosten, hätte ich sie unterstützt. Jetzt aber ist sie zu teuer geworden.» Den Grossteil der Baukosten wird die nationale Lotteriegesellschaft tragen, die rund 200 Millionen Schekel beisteuert. Weitere je 20 Millionen Schekel stammen vom Sport-Toto und der Stadt. Die totalen Baukosten von heute 240 Millionen Schekel sind das Doppelte der ursprünglichen Schätzungen.
Die Halle sollte nach Ansicht des Künstlers Yoram Amir keine allzu hohe Priorität für die lokale Kulturszene erhalten. Amir ist bekannt für seine Opposition gegen grosse Bauprojekte in Jerusalem. «Das Projekt liegt auf der gleichen Linie wie die neue kontroverse Brücke am Stadteingang. Es verwirklicht moderne Ideen, vernachlässigt gleichzeitig aber kleine Kulturprojekte.» Drei Vorgänger im Amt des Bürgermeisters – Teddy Kollek, Ehud Olmert und Uri Lupolianski – setzten sich bereits für den Bau der Sporthalle ein, doch wurde das Projekt nie in die Tat umgesetzt. Seit seinem Wahlsieg sucht Bürgermeister Barkat nun nach Wegen zur Vollendung der Halle. Er hat dem Stadtrat bereits seine Pläne unterbreitet.
Das erste Stadion, das planmässig bis 2012 beendet werden soll, wird einen Zuschauerraum mit 5600 Sitzen erhalten. Barkat hofft aber, die nötigen Gelder für eine Ausweitung aufzubringen. Dann würden 4400 weitere Sitze hinzukommen, was die Abhaltung internationaler Wettbewerbe wie die Endrunde der Euroleague-Basketballspiele ermöglichen würde. In der Halle sollen aber auch Konzerte, politische Versammlungen und sogar Schlittschuh-Veranstaltungen stattfinden.