Nach Moskau!

March 18, 2010
Die russische Metropole als Magnet und Phönix aus der Asche.
MOSKAU Die 10,5-Millionen-Einwohner-Stadt wird auch die jüngste Krise bewältigen

Von Regula Heusser-Markun

Fahren wir nach Moskau! Ich flehe dich an, fahren wir! Es gibt nichts Besseres auf der Welt als Moskau!» Mit diesen Worten bestürmt Irina, die jüngste der «Drei Schwestern» in Tschechows Theaterstück aus dem Jahr 1900, die älteste, Olga. Viele von Tschechows Frauenfiguren werden umgetrieben von dieser Sehnsucht nach Moskau als Ort der Chancen für ein erfülltes Leben. Moskau ist aber auch der Ort des Verderbens, denkt man an Nina, die Titelheldin seines ersten Stücks «Möwe», welche die Flucht in die Metropole wirklich wagt.

Tschechow selber, in der Provinzstadt Taganrog am Asowschen Meer geboren, sollte nach Moskau umziehen, hatte sich doch sein Vater nach dem Bankrott seines Kolonialwarengeschäftes vor seinen Gläubigern dorthin gerettet. Anton, seit 1879 Student der Medizin an der Universität Moskau, schrieb 1881 an seinen Schulfreund Salomon Kramarjow: «Komm nach Moskau!!! Ich habe mich schrecklich in Moskau verliebt. Wer sich einmal an Moskau gewöhnt hat, der fährt nie wieder von hier fort. Ich bin für immer Moskauer geworden.»

Umso tragischer war es, dass Tschechow später aus gesundheitlichen Gründen kaum mehr in Moskau war, dass er bei keiner der Uraufführungen seiner Stücke am Moskauer Künstlertheater dabei sein konnte, da er in Jalta oder in Italien zur Kur weilte. Moskau blieb sein Sehnsuchtsort auch nach der späten Heirat mit der Schauspielerin Olga Knipper, die dort ihrer Arbeit nachging, während ihm das Schwarzmeerklima verordnet blieb.

Ehrgeiz und Sendungsbewusstsein

Dass Moskau das Herz der russischen Lande werden würde, war keineswegs zwingend. Als der Ort 1147 erstmals in einer Chronik auftauchte – Anlass für eine pompöse 850-Jahr-Feier 1997 in Jelzins, beziehungsweise Bürgermeister Luschkows Amtszeit –,war Kiew bereits etabliert als «Mutter der russischen Städte». Grossfürst Wladimir hatte den (byzantinischen) orthodoxen Glauben 988 zur Staatsreligion erklärt und heidnische Tempel wie Götzenbilder zerstören lassen. Dem Ansturm der Mongolen hielt das Kiewer Reich nicht stand, das nördlicher gelegene Moskau erstarkte und wurde – Fürstentümer wie Pskow, Wladimir, Susdal ausstechend – 1332 Sitz der orthodoxen Kirche. Der vom Mongolenkhan zum alleinigen Grossfürsten der Rus bestimmte Moskauer Iwan Kalita («Geldsack») hatte sich mit den fremden Herrschern arrangiert und zog für diese im ganzen Gebiet den Tribut ein. 1478 annektierte der Moskauer Grossfürst Iwan III. die Stadtrepublik Nowgorod und unterwarf weitere Fürstentümer im Zuge seiner Strategie des «Sammelns der russischen Lande». Er hatte eine byzantinische Prinzessin geheiratet, als die griechisch-orthodoxe Kirche, nachdem Konstantinopel 1453 von den Türken erobert worden war, nur mehr von des Sultans Gnaden existierte. Die russisch-orthodoxe Kirche hingegen bestand auf ihrer Eigenständigkeit, die im frühen 16. Jahrhundert entwickelte Theorie von Moskau, dem «Dritten Rom», wurde zur Grundlage des russischen Messianismus.

Iwan IV., der Schreckliche oder Gestrenge, 1547 zum Zaren aller Russen im Moskauer Kreml gekrönt, dehnte sein Reich nach Süden bis zum Kaspischen Meer aus, indem er die Khanate Kasan (1552) und Astrachan (1556) eroberte. Aus Dank für den Sieg über die Tataren gab er den Bau der bunten, vielkuppligen Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz in Auftrag – bis heute eines der Wahrzeichen Moskaus und ein Mahnfinger gegen fremde Aggressoren. Doch nun griffen die Krimtataren die südliche Grenze Russlands an und drangen 1571 bis nach Moskau vor, um die Stadt bis auf den Kreml, der aus Steinbauten bestand, niederzubrennen.

Moskau erholte sich von dieser Schmach. Und es überlebte die Zeit der Wirren, als mehr als ein falscher Demetrius auf den Thron aspirierte und schliesslich 1613 die Dynastie der Rjurikiden durch jene der Romanows abgelöst wurde, deren letzter Zar, Nikolaus II., nach der Revolution abdankte.

Moskau hatte auch die 200 Jahre, in denen Petersburg Hauptstadt des Zarenreichs war, unbeschadet überstanden. Peter der Grosse, der 1712 seinen Regierungssitz in das neu erbaute Petersburg verlegte, hatte sich ausgerechnet bei den in Moskau seit dem 15. Jahrhundert angesiedelten Ausländern der «Nemeckaja Sloboda» über die westliche Lebensart ins Bild gesetzt, die er seinen Untertanen zu verordnen vorhatte. Moskau blieb Sitz der in ihrer Machtfülle reduzierten orthodoxen Kirche, die Zaren wurden weiterhin in der Kremlkirche Mariä Himmelfahrt gekrönt.

Selbst der verheerende sechstägige Brand, der in Moskau – spontan oder gelegt – ausbrach, nachdem angesichts der anrückenden napoleonischen Heere nur mehr ein Zehntel der damals 300 000 Einwohner ausgeharrt hatte, vermochte die prunkvolle Stadt nicht endgültig zu vernichten. Tolstoi widmete dieser Zerreissprobe für die Russen sein Epos «Krieg und Frieden». Sowjetische Karikaturisten zogen Parallelen zwischen den Truppen Napoleons und jenen Hitlers, die beide auf dem Rückzug nach ihrer Niederlage den Kälte- und Hungertod starben.

Krieg gegen die eigene Bevölkerung

Der schlimmste Aderlass für das nach dem bolschewistischen Putsch wieder als Hauptstadt etablierte Moskau war die gewaltsame soziale Umschichtung seiner Einwohner. Diesmal kam der Angriff von der eigenen Staatsführung. Adel, Kaufleute sowie zahlreiche der meist ebenfalls der alteingesessenen Oberschicht angehörigen Wissenschafter, Schriftsteller und Künstler wurden vertrieben und später – wie viele der aus dem temporären Exil in Berlin oder Paris voller Hoffnung auf einen auch kulturellen Neubeginn Zurückgekehrten – liquidiert. Der Vernichtung preisgegeben wurden auch jene, die sich im Gefolge Lenins für die Kommunistische Internationale engagiert hatten und – ob In- oder Ausländer – in Ungnade fielen, als Stalin den Sozialismus in einem Land propagierte und überall Verräter witterte. Diese brutalste Aggression auf die Integrität der Metropole hat Wunden geschlagen, an denen sie heute noch krankt. Nur langsam wird die soziale Textur der Bevölkerung wieder vielschichtiger, zaghaft meldet sich der Adel zurück. Aber es sind vor allem Neureiche, die sich eine gewichtige Genealogie kaufen. Denn kaufen kann man in Moskau fast alles.

Die Stadt war ein Magnet gewesen auch für zahlreiche auf den «fortschrittlichsten Staat der Welt» neugierige Schriftsteller – von Joseph Roth und Walter Benjamin über André Gide bis John Steinbeck. Letzterer war kurz nach dem Krieg mit dem Magnum-Fotografen Robert Capa in Moskau unterwegs und erlebte die Stadt so viel klarer, heller und grosszügiger bebaut als bei seinem ersten Besuch 1936.

War die städtische Bevölkerung nach 1917 drastisch geschrumpft, lösten auf dem Land die Zwangskollektivierung und die dadurch verursachte Hungerkatastrophe eine Massenflucht aus. Zwischen 1926 und 1939 drängten 23 Millionen Bauern in die Städte, wo sie zum Industrieproletariat und zu willkommenen Baubrigaden mutierten. Im Laufe des ersten Fünfjahrplans wuchs die Bevölkerung Moskaus von 2,2 Millionen auf 3,7 Millionen im Jahr 1933. Städter waren es immer weniger.

Moskau schaute und stürmte immer vorwärts. Der Blick zurück wird seit je, sofern er nicht Jahrestage einer heroischen Geschichte im Visier hat, vor allem in den Familien gepflegt. Die Gedächtnisarbeit von Historikern und Menschenrechtsorganisationen wird heute nach den kurzen Jahren der offenen Archive wieder zunehmend behindert. Moskau hat seine eigene Topografie des Terrors, von der immer weniger etwas wissen (wollen).

Beispielhaft für die tödliche Willkürherrschaft steht das «Haus der Regierung», das in Juri Trifonows Roman von 1978 als «Haus an der Uferstrasse» erscheint.

Erbaut wurde der weitläufige Wohnkomplex in Kremlnähe nach dem Entwurf des am italienischen Neoklassizismus geschulten Architekten Boris Iofan zwischen 1928 und 1931. Derselbe Iofan sollte auch den Wettbewerb für den Palast der Sowjets gewinnen, der an die Stelle der riesigen, zur Sprengung freigegebenen Erlöser-Kathedrale hätte treten sollen. Statt des 420 Meter hohen Wolkenkratzers befand sich dort die ganze Sowjetzeit über ein geheiztes Freiluftschwimmbad.

Das Gotteshaus wurde in den neunziger Jahren wieder aufgebaut, Moskau hat seine Rolle als Hüterin der Orthodoxie zurück, wenngleich die Kirchen das Stadtbild nicht mehr so dominieren wie 1867, als Lewis Carroll notierte: «Nach dem Dinner fuhren wir auf die Sperlingsberge, von denen aus wir eine grossartige Aussicht auf den Wald von Kirchtürmen und Kuppeln hatten, davor die Moskwa, die sich daran vorbeiwindet – die Berge, von denen Napoleons Armee ihren ersten Blick auf die Stadt warf.»

In der Stalin-Ära – Lenin war 1924 gestorben – bekam Moskau das Gesicht einer modernen Grossstadt. Charakteristisch für die Skyline sind bis heute die sieben gestuften, monumentalen Hochhäuser der Nachkriegszeit («Stalingothik»). Die Jahre zwischen dem Ende der NEP-Zeit (1928) und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion im Sommer 1941 waren gekennzeichnet von einer Umstrukturierungswut und einem Bauboom sondergleichen. Sanierungsbedürftige Quartiere wurden abgerissen, Strassen verbreitert, Wohn- und Verwaltungsbauten im grossen Stil hochgezogen, Freizeitanlagen geplant und mit dem Bau einer Metro begonnen. Letzteres war allerdings umstritten, Gegner kritisierten, das sei ein antisoziales Transportmittel und man täte besser daran, über eine Verkleinerung Moskaus nachzudenken.

Wertvolle, belastete Erbstücke

Das «Haus der Regierung» war 1928 das erste Grossprojekt im Dienste der neuen, rasch wachsenden Schicht der Bürokraten, die privilegiert wohnen sollte, während das übrige Moskau jeden Komfort entbehrte, sich ehemalige herrschaftliche Wohnungen teilen musste, mit fremden Menschen zu Wohngemeinschaften (Komunalkas) zusammengepfercht.

Die neue Elite war allerdings der Willkür der Regierenden ausgeliefert. Lang ist die Liste der Bewohner, die zwischen 1936 und 1952, als es Solomon Losowski traf, den Leiter des Lehrstuhls für internationale Beziehungen der Parteihochschule des Zentralkomitees der Partei, erschossen wurden. Sie umfasst die Parteikader quer durch Berufe und Funktionen. Unter den Opfern finden sich sehr viele Juden, denen das neue Regime Chancengleichheit und Aufstiegsmöglichkeiten verheissen hatte und die dank der endlich gewährten Freizügigkeit die traditionellen Ansiedlungsrayons der Zarenzeit verlassen konnten. Das Haus an der Serafimowitsch-Strasse, auch nach dem Zweiten Weltkrieg Schauplatz des sozialen Auf- und Abstiegs, der Anpasserei und des Denunziantentums, gehört heute dank der grosszügigen, mit besten Materialien gebauten Wohnungen zu den beliebtesten Wohnimmobilien der Stadt.

Die Solidität der in Plan- und nicht selten in Zwangsarbeit errichteten Gebäude zahlt sich auch in der kapitalistischen Ära aus: Als mit der Perestroika der Erwerb von Wohnraum erst möglich wurde, erzielten die Immobilien der Stalin-Ära höchste Preise, während die lottrigen Chruschtschow-Siedlungen weniger begehrt sind und immer häufiger neuen Überbauungen weichen müssen. Die Satellitenstädte – Mikrorayons mit Einkaufs- und Freizeitinfrastruktur – der Breschnew-Zeit, gegen die hartnäckige Wohnungsnot des ständig wachsenden Molochs Moskau im Fertigelement-Bau erstellt und in der späten Sowjetära oft Brennpunkt nie eingestandener Jugendkriminalität, überleben vorderhand.

Abgerissen wurden zu Recht einige in derselben Ära hochgezogene Hotels in der Innenstadt. Ältere werden aufwendig renoviert, wie das vor der Revolution gebaute «Baltschug» (heute Kempinski) oder die Jugendstiljuwelen «Metropol» und «National». Erhalten werden die beiden Hotelhochhäuser aus der späten Stalinzeit «Ukraina» und «Leningradskaja». Letzteres behält seinen Namen, anders als der Leningrader Bahnhof, der wieder Nikolajewski Woksal heisst. Ungewiss ist, ob das 1935 von Alexei Schtschussew entworfene Hotel «Moskwa» am Roten Platz im gleichen Stil rekonstruiert wird. Wenig Sorge getragen wird den Bauten der konstruktivistischen Ära, Bürgerinitiativen zur Rettung historischer Bausubstanz der Stadt kämpfen meist auf verlorenem Posten. Noch steht Konstantin Melnikows Rundbau, sein Wohn- und Atelierhaus. Und eine seiner Grossgaragen geniesst nach jahrzehntelanger Vernachlässigung neues Prestige als Kunstsalon.

Moskau war immer auch ein Mekka der Architekten. Der Schweizer Hannes Meyer, seit 1928 Direktor des Bauhauses in Dessau, wurde als «Roter» 1930 entlassen und dann in Moskau willkommen geheissen als Hochschullehrer. Er wirkte auch mit an der Planung der Stadt Birobidschan in der eben geschaffenen Jüdischen Autonomen Oblast (Region). Den Säuberungen in der Moskauer Ausländergemeinde entkam Meyer, indem er in die Schweiz zurückkehrte.

Vor dem Ende des russischen Roulettes?

Auch in jüngster Zeit zeigt sich das Stadtbild bei jedem Besuch verändert. Städtebaulich herrscht unter den Bedingungen der Privatwirtschaft – und der Korruption – Wildwuchs, die Zeit der grossen Gesamtpläne scheint endgültig vorbei. Ganze Wohnbaukomplexe der Eliteklasse verdrängen ältere Quartiere und schotten sich als sogenannte Gated Communities ab. Luxusgeschäfte machen sich auch über das Stadtzentrum hinaus breit. Längst vergessen ist das auf wenige Saisonmodelle beschränkte Angebot der sowjetischen Kleidergeschäfte, das Frauen und Mädchen zu kreativen Eigenleistungen zwang und das Burda-Schnittmuster-Buch zur gefragtesten Westliteratur machte.

Der Sog der Stadt ist ungebrochen. Doch sind die Gesichter der Völker der ehemaligen Sowjetrepubliken rarer geworden, seit Moskau nicht mehr deren Hauptstadt ist. Mehr als Georgisch, Usbekisch oder Lettisch hört man jetzt im Stadtzentrum Englisch, Französisch oder Spanisch. Als echte Metropole ist Moskau auch Sitz vieler internationaler Firmen.

Weniger sichtbar als in den Jahren der Perestroika sind die Strassenkinder, die die Bahnhöfe bevölkerten und oft mehr Geld verdienten als ihre Eltern irgendwo in der Provinz. Immer schon streng reglementiert war der Zuzug ungelernter Kräfte. Für temporäre Einsätze in Grossprojekten wurden sogenannte Limitschiki engagiert und in speziellen Wohnheimen untergebracht. Auch junge Mädchen zog es auf diesem Weg in grosser Zahl nach Moskau, oft in der Hoffnung, via Heirat den Weg zum Bleiberecht abzukürzen. Doch das Pflaster war hart. Im Film «Moskau glaubt den Tränen nicht» aus dem Jahr 1958 sagt eine Kontraktarbeiterin: «Moskau ist eine Lotterie – hier kann man alles gewinnen und alles verlieren.»

Heute haben wieder viele das Gefühl, an einer grossen Lotterie teilzunehmen. Seit Ende 2008 wurden viele Bauprojekte gestoppt, die Immobilienpreise sind gefallen, zwischen 200 000 und 300 000 Baufachleute sollen die Stadt verlassen haben. Der Staat ist gefragt. Die Regierung will wieder mehr in den sozialen Wohnungsbau, in Schulhäuser und technische Infrastruktur investieren. Sie will Wohnüberbauungen bankrotter Unternehmer aufkaufen und auf den Markt bringen.

Namhafte Architekten schlagen vor, die Stadt solle nicht länger in konzentrischen Kreisen wachsen. Die Verkehrsstaus sind ebenso unerträglich wie die Luftverschmutzung. Moskau ist über Jahrhunderte ringförmig gewachsen: die Kremlmauer, der Boulevard, der Gartenring, der Autobahngürtel. Was für die Eisenbahn funk­tionierte, die sternförmige Anordnung der Linien in alle Himmelsrichtungen des Russischen Reiches, neun Kopfbahnhöfe im Stadtzentrum, erweist sich für den Strassenverkehr angesichts der wachsenden Motorisierung als immer problematischer.

Jetzt soll die Stadt mit ihren offiziell 10,5 Millionen Einwohnern in linearer Ausdehnung, etwa entlang der Achse Moskau–Petersburg, wachsen. Im Übrigen sollen die Hasardeure, die in Massen der Spielsucht verfallen sind und sich und ihre Familien in den Ruin gestürzt haben, vor sich selber geschützt werden. Seit letztem Sommer gilt ein generelles Verbot, in der Stadt Moskau Spielkasinos zu führen. Das bedeutet auch einen Verlust von 50 000 Arbeitsplätzen und ein Abdrängen der Glücksspielindustrie in die Illegalität oder ins Internet. Wer weiterhin dem Roulette huldigen will, soll sich an Provinzstädte halten. Die fatale Attraktion Moskaus soll gebrochen werden.

Die noch immer selbstsicheren Moskauer sind überzeugt, dass die Stadt auch diese Krise übersteht, genau wie jene von 1998, als im Zuge der massiven Rubelanwertung der eben erst erwachende Mittelstand schwere Einbussen erlitt. Immer wieder gibt es positive Signale, zwar wird das höchste Gebäude der Stadt, der Russia Tower des britischen Stararchitekten Norman Forster, vorderhand nicht gebaut oder von den geplanten 612 Metern auf deren 200 reduziert. So bliebe der 1967 errichtete Funk- und Fernsehturm von Ostankino, der im Jahr 2000 gebrannt hatte und unlängst wieder in Betrieb genommen werden konnte, mit seinen 537 Metern weiterhin das höchste Gebäude der Stadt. ●

Regula Heusser-Markun ist Slawistikerin und Journalistin in Zürich.