Nach dem Schock
Das Sprungbrett zu der Nominierung der Republikaner für die US-Präsidentschaft hat unter Mitt Romney nachgegeben. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts musste bei den Vorwahlen in South Carolina am Samstag eine schwere Niederlage gegen seinen Rivalen Newt Gingrich hinnehmen. Der Urnengang im Palmen-Staat ist zwar nur die dritte Entscheidung in einem Wettkampf, der potentiell bis in den Sommer andauern könnte. Aber seit 1980 ist der Gewinner von South Carolina stets zum Kandidaten der Grand Old Party aufgestiegen. Das muss natürlich nicht auch in dieser Saison automatisch stattfinden, aber Romneys überraschende Niederlage legt seine Schwächen als Kandidat bloss.
Bei den Umfragen lag Gingrich noch in der vergangenen Woche bis zu 20 Prozentpunkten hinter Romney. Sein rasantes Comeback dürfte an seiner starken Performance bei den zwei Kandidaten-Debatten der letzten Tage liegen, aber auch an der angriffigen Art des ehemaligen Sprechers des Repräsentantenhauses. Gingrich musste die South Carolinians nicht daran erinnern, dass er aus dem Nachbarstaat Georgia stammt. Mit seinen grandiosen Tönen und scharfen Attacken auf die «liberalen Medien» und den «timiden Moderaten aus Massachusetts» entspricht Gingrich einem klassischen Typ des Südstaatenpolitikers. Wie die sinkenden Umfragewerte Romneys landesweit zeigen, fühlen sich jedoch auch viele Konservative ausserhalb des Südens zu Gingrich hingezogen. Er macht den Eindruck eines Kämpfers, der den Zorn der rechten Basis auf Barack Obama kanalisiert. Romney wirkt dagegen distanziert, kühl und kalkulierend.
Für seinen Sieg hat sich Gingrich jedoch obendrein bei Sheldon Adelson zu bedanken. Der Casino-Mogul hat ihm nach Niederlagen in Iowa und New Hampshire mit einer 5 Millionen Dollar-Spende eine Wiedergeburt ermöglicht, die in der amerikanischen Politik ihresgleichen sucht. So konnte Gingrich TV-Attacken auf Romney finanzieren, dessen Unterstützer den Speaker in Iowa gnadenlos mit Angriffen auf seinen Charakter demoliert hatten. Romney hat am Sonntag angekündigt, er werde nun doch seine Steuererklärungen veröffentlichen und Gingrich persönlich angehen. Dazu hat er bereits am Montagabend bei der nächsten TV-Debatte der Kandidaten Gelegenheit. Diese findet in Florida statt, wo am 31. Januar ein weiterer Wahlgang ansteht.
Romneys Steuererklärung dürfte nicht nur über das auf bis zu 500 Millionen Dollar geschätzte Vermögen dessen Familie Aufschluss geben, sondern auch über die Raffinesse seiner Steuerberater. Angeblich soll Romney grosse Summen auf den Cayman-Inseln und in anderen Steueroasen untergebracht haben. Besonders brisant könnten Informationen über die Abgaben Romneys an seine mormonische Kirche sein, die üblicherweise zehn Prozent von Einkommen betragen. Unter Umständen hat der ehemalige Mormonen-Bischof von Boston über die Jahre mehr Geld an seine Religionsgemeinschaft gegeben, als an «Uncle Sam». Bei den Wählern dürfte dies nicht sonderlich gut ankommen. [AM]