Multikulturell, nicht nur religiös
«Wenn wir uns darstellen wollen, sollten wir eine umfassende Definition des jüdischen Volkes annehmen und uns als ethnische Gruppe präsentieren.» Das ist die Quintessenz einer vom Institute for Jewish Policy Research in London veröffentlichten Studie. Der Bericht fordert auch die Schaffung eines Programms zur Ausbildung weiblicher, jüngerer und nicht den Gemeinden angehörender Juden zu Gemeindeaktivisten, wobei sie sich vor allem aufs Präsentieren verstehen sollten. Nach der Meinung eines Sprechers des Institutes bedeutet der Vorschlag eine «wesentliche Veränderung» in einem multikulturellen Grossbritannien.
Nicht nur einen besten Weg
Der Vorschlag unterstreicht die «Betonung der historischen Repräsentationsstrukturen des Board of Deputies und des Oberrabbinates». Unter Anspielung auf das Oberrabbinat, das Führungsgremium der modern-orthodoxen Bewegung, das rund 60 Prozent der britischen Gemeinschaft vertritt und weitgehend als massgebliche Stimme betrachtet wird, empfiehlt die Studie, dass die jüdischen Interessen von einem breiten Spektrum von Stimmen vertreten werden sollen. «Es gibt nicht nur einen besten Weg, und keine Organisation oder Person kann für die ganze Gemeinde sprechen», liest man in dem Bericht, der das britische Judentum als eine «aus Gemeinden bestehende Gemeinde» bezeichnet. Professor Margaret Harris, die die Studie mit verfasst hat, meint, man solle sich weniger auf die «10 Prozent uns trennenden Themen» konzentrieren, als vielmehr auf die «90 Prozent, über welche praktisch Einigkeit herrscht». Die Gemeinde müsse sich, so fügt sie hinzu, Gedanken machen auf Gebieten wie soziale Wohlfahrt, Gesundheit, Bildung, Sicherheit und Bürgerrechte.
Neues Netzwerk
Die laufenden Entwicklungen in Grossbritannien, wie die stärkere Integration in die Europäische Union, die Regionalisierung, Veränderungen in der Lokalverwaltung und die Reform des Oberhauses, stellen nach Ansichten des Berichts neue Herausforderungen für das jüdische Leben dar. Deshalb empfiehlt die Studie die Schaffung eines neuen, alle Gemeinden verbindenden, einen Zusammenhalt herstellenden Netzwerkes. Barry Kosmin, der Direktor des Institutes, sieht in der Studie eine «radikale Abkehr von der Denkweise, welche die Juden als Teil eines Status quo betrachtet». Der Bericht demonstriere, wie die Juden sowohl national als auch international weiterhin eine «positive und aktive Kraft» sein und gleichzeitig auch in einer neuen Ära ihre «ganz besondere Identität» bewahren können.
JTA