Money für Tele 24

von Gisela Blau, October 9, 2008
Roger Schawinski hat sich einen verdienten finanziellen Spielraum gegenüber seinen demnächst auf dem Markt erscheinenden Konkurrenten im Bereich des Schweizer Privatfernsehens verschafft: Der internationale Private Equity Fonds der Credit Suisse First Boston (CSFB) erwirbt 40 Prozent der Aktien der Belcom Holding AG, der Firma des Zürcher Medienunternehmers.

Über die Kaufsumme kann höchstens spekuliert werden; sie dürfte jedoch komfortabel hoch sein, denn die CSFB will «die erheblichen Wachstumsmöglichkeiten in der schweizerischen Medienbranche ausschöpfen». Die Beteiligung ist ein grosses Kompliment für Schawinski, ist die Grossbank doch «vom langfristigen Erfolg der Medienunternehmen unter dem Dach der Belcom Holding AG überzeugt». Wie immer behält der Medienpionier das letzte Wort: Er besitzt künftig 56,75 Prozent seiner Firma, der internationale Private Equity Fonds der CSFB 40 Prozent und die leitenden Mitarbeiter der Belcom Holding AG immerhin noch 3,25 Prozent des Aktienkapitals. Die Holding, die 1998 einen Umsatz von 34 Millionen Franken erzielte und seit einiger Zeit jedes Jahr um 30 Prozent zulegte, umfasst sämtliche Medienaktivitäten von Roger Schawinski. Es ist im übrigen nicht das erste Engagement der Grossbank CS an einem Schawinski-Produkt. Exakt wie CNN führt der promovierte Ökonom Roger Schawinski auf seinem Sender Tele 24 im September eine - beinahe - tägliche Börsen- und Wirtschaftssendung ein. Für jeden Börsentag - um 18.20 Uhr live und später als Wiederholung - werden acht bis zehn Minuten mit reich befrachtetem Business-Programm angekündigt. Die neue Sendung wird «Money» heissen, und das notwendige Money steuert als Hauptsponsor die Credit Suisse (CS) bei. Eine pikante Partnerschaft, die jetzt noch markant verstärkt wurde: Vor mehr als 20 Jahren, als Roger Schawinski noch Chefredaktor der Tageszeitung «Tat» war, entdeckte er den sogenannten Chiasso-Skandal der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt (SKA). Einprägsam erinnerte die eigenwillige Schreibweise des Wortes «SKAndal» in den täglichen «Tat»-Schlagzeilen an Verluste und Verfehlungen der Grossbank. Die SKA ging seither in der CS auf, die «Tat» gibt es längst nicht mehr, und weil er von deren Besitzerin Migros noch als Chefredaktor geschasst worden war, lancierte Schawinski vor ziemlich genau 20 Jahren das erste Lokalradio der Schweiz, Radio 24 (das bald einen zweiten Kanal mit dem Zusatz «plus» erhalten soll). Die Zeit scheint in der Tat alle Wunden zu heilen, Skandale egal welcher Schreibweise geraten in Vergessenheit, und für die Beweglichkeit aller damals Beteiligten sprechen ihre heutigen Handlungen: Im November 1998 verlieh die Migros den Gottlieb-Duttweiler-Preis an Roger Schawinski, ab September 1999 sponsert die ehemalige SKA eine Wirtschaftssendung auf Tele 24, und deren Geschäftseinheit CSFB kauft sich gar im grossen Stil in das Unternehmen ein. Chapeau!