Mondaine eröffnet Neubau

March 4, 2010
Eineinhalb Jahre nach dem Spatenstich hat das Traditionsunternehmen Mondaine Watch unter der Leitung der Gebrüder André und Ronnie Bernheim sein neues Produktions- und Distributionzentrum eröffnet. Einziger Spielverderber könnte ein neues Swissness-Gesetz werden, welches dem Unternehmen die Produktion in der Schweiz unmöglich machen würde.
IM NEUEN GEBÄUDEKOMPLEX Die Brüder André und Ronnie Bernheim

Ein sichtlich stolzer Ronnie Bernheim erzählte der versammelten Menge am vergangenen Montag bei der Eröffnung seiner neuen Fabrik in Biberist: «Als wir am 16. September 2008 den Spatenstich setzten, wussten wir noch nicht, wie tief wir überhaupt graben können.» In der Tat war es ein grosses Risiko, inmitten der Wirtschaftskrise in einen Neubau für rund zehn Millionen Franken zu investieren. Das Resultat beeindruckt: Der neue Gebäudekomplex fasst Büro­räume, Fabrikation sowie Lager und Distribution zusammen. Als erster Uhrenhersteller in der Schweiz setzt Mondaine in der Produktion auf die Reinraumtechnik, welche für eine hohe Qualität mit minimaler Verstaubung der Teile sorgt. Mit diesen optimalen Bedingungen kann in Biberist jährlich rund eine Million Uhren produziert und dank einem Zollfreilager innerhalb der eigenen vier Wände auch gleich in alle Welt verteilt werden.

Solide Umsatzzahlen trotz Krise

Das im Jahre 1951 von Erwin Bernheim gegründete Familienunternehmen wird in zweiter Generation von den beiden Söhnen André und Ronnie Bernheim geführt. Über Umsatzzahlen spricht man nicht, trotzdem gab André Bernheim bekannt, «dass es trotz Krise gelungen sei, den Umsatz 2009 auf dem Vorjahresniveau zu halten». Der Grund dafür sei, dass man mit den konservativen Marken Mondaine (Hersteller der berühmten Bahnhofsuhren), M-Watch, Luminox und camel active eher krisengeschützt sei als bei Luxuswaren im höheren Preissegment. Auch die von den Gebrüdern Bernheim neu gegründete Marlox-Gruppe ist im neuen Gebäude beherbergt. Sie ist auf Design, Produktion, Marketing und Distribution von Modeuhren und Schmuck von Lizenzmarken im Lifestylebereich wie Esprit oder Puma spezialisiert. Allerdings werden viele dieser Produkte nicht in der Schweiz, sondern in eigenen Fabriken in Fernost hergestellt.

Standort Schweiz birgt Risiko

Viermal grösser ist der Neubau als die bisherige Mondaine-Fabrik, die ebenfalls in Biberist war. «Wir haben verschiedene Alternativen evaluiert und uns entschieden, in Biberist zu bleiben. Im Neubau können wir eine hohe Uhrenqualität kosteneffizient produzieren sowie weiterhin auf das Wissen unserer Mitarbeiter zählen. So steigern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit, bleiben dem Standort treu und konnten ausserdem zusätzlich 60 neue Arbeitsplätze schaffen», begründet André Bernheim die Entscheidung. Insgesamt beschäftigt das Mondaine-Haus nun 110 Angestellte. Für die Treue zur Schweiz gab es von allen Seiten viel Lob. So auch von Ernst Thomke, Doyen der Schweizer Uhrenindustrie und als Begründer der Swatch einst Konkurrent und Lieferant von Mondaine, welcher anlässlich zur Eröffnungsfeier eine Rede hielt und in Erinnerungen schwelgte: «Schon der Vater Erwin Bernheim war ein innovativer Schweizer Unternehmer und harter Kämpfer. So ist es toll zu sehen, dass auch die Söhne den Standort Schweiz schätzen und das internationale Geschäft mit Mut und Risikobereitschaft weiter ausbauen.» Doch der Standort Schweiz könnte dem Unternehmen zum Verhängnis werden. Denn die aktuelle Diskussion um das neue Swissness-Gesetz des Bundesrats, welches vorschreiben würde, dass nicht wie bis anhin nur 50 Prozent des Uhrenwerks, sondern 60 Prozent der gesamten Uhr in der Schweiz hergestellt sein müssen, bereitet Ronnie Bernheim Sorgen. «Es würde nur den Luxusmarken Vorteile bringen, für uns würde es eine Verdopplung der Produktionskosten bedeuten und eine Schliessung der Fabrik wäre unumgänglich. Wir hoffen, dass es nicht so weit kommen muss.» Für Diskussionen ist in nächster Zeit also gesorgt. Laurent Rueff