Mit Israeli unterwegs

October 9, 2008

Immer wieder hört man vom lärmigen, arroganten Benehmen israelischer Touristen im Ausland. Nach zwölf Tagen mit 25 Israeli (vorwiegend marokkanischen Ursprungs) in Marokko muss ich diesen Eindruck leider vorwiegend bestätigen. Individuell gesehen habe ich allerdings interessante und wertvolle Menschen kennen gelernt. Als Gruppe betrachtet aber fällt das Urteil weniger günstig aus. Bei der Besichtigung von Palästen oder Stätten etwa trat die Gruppe derart laut auf, dass man meinte, sie habe den Ort soeben erobert. Da wurden von einem Raum in den anderen Botschaften und Fragen in einem Ton weitergegeben (auf Ivrit, versteht sich), der andere Gäste akustisch an die Wand drückte. Im Bahia-Palast in Fes ging es so schlimm zu, dass der Reiseleiter einer anderen Gruppe zu uns kam und um Ruhe bat, damit auch andere Menschen den Besuch geniessen könnten. Ich schämte mich und setzte mich einige Meter von «meinen» Israeli ab. Ähnliches geschah auf dem Rückflug von Casablanca nach Istanbul. Es war Ramadan, und über 250 muslimische ¬Pilger waren auf dem Weg nach Mekka. Zu Worte meldeten sich aber fast nur Mitglieder unserer Gruppe, die lauthals ihr koscheres Essen forderten oder sich über ihren Sitz beklagten. Ein Kompliment an die Adresse der Crew der Turkish Airlines, die zwar sichtlich gezeichnet war, sich aber nicht aus der Fassung bringen liess. Unser Reiseführer Aharon, von mir auf das Problem angesprochen, wusste nichts anderes zu sagen, als dass sich hier eben der Mentalitätsunterschied zwischen mir und dem Rest der Gruppe manifestiere. Wie beruhigend.      [JU]