«Mischen Sie sich ein!»

October 9, 2008

«Mischen Sie sich ein!» beschwört die deutsche Talkmasterin der ARD, Sabine Christiansen, seit zwei Wochen ihre Zuschauerschaft, wenn sie eine weitere Gesprächsrunde über Rechtsextremismus beendet hat. Hinschauen statt wegschauen - das wäre ein gutes Rezept gegen die Glatzen und ihre Hinterleute, aber es scheitert entweder an Gleichgültigkeit oder aber an der Angst der Umstehenden vor Prügeln. Das versetzt die sich im dumpfen Stallgeruch des gemeinsamen Stark-Seins vereinten Skins in den euphorischen Wahn, Macht auszuüben. Bleibt die Polizei untätig wie am 1. August auf dem Rütli, so verzichtet sie freiwillig auf die Bereitschaft solcher Leute, sich der Obrigkeit zu beugen, vor allem wenn sie in Uniform daherkommt und ruhig, aber bestimmt ihre Anweisungen erteilt. Sich darauf zu berufen, das Antirassismus-Gesetz biete keine Handhabe, sticht nicht - die Sicherheitsorgane müssen nur bereit sein, es anzuwenden. Justizministerin Ruth Metzler will dies ermöglichen.Skins und ihre Mitläufer - es gibt auch Mitläuferinnen - können sich im Allgemeinen nicht artikulieren. Kaum einer vermag ausser allgemeinen Parolen auszusprechen, was ihn eigentlich umtreibt. Am Dienstagabend hat sich Roger Schawinski in seiner Sendung «Talk-Täglich» einen jener Rechtsextremen vorgenommen, die der Sprache mächtig sind, auch wenn er nicht auf dem Rütli dabei war wie Pascal Lobsiger (der Skin, der ebenfalls reden kann). Roger Wüthrich ist der Chef der Gruppe «Avalon», der 1993 einen Holocaust-Leugner-Kongress in Bern organisierte und seither keine Stelle mehr hat, sondern samt österreichischer Freundin von der Sozialhilfe lebt, statt sich selber zu ernähren, was ihm der Talkmaster gekonnt um die Ohren klatschte.
Es war klug und mutig von Schawinski, einem Hitler-Verehrer ein Podium zu bieten, auf dem er sich selber enttarnen konnte. Hätte er ihn am Anfang trügerisch freundlich seine Thesen entwickeln lassen, bevor er mit der vollen Härte seiner Interviewtechnik einfuhr, wäre das Gespräch vielleicht noch enthüllender geworden. Aber so war Wüthrich stets auf der Hut vor dem Antirassismus-Gesetz, wie er selber zugab, und liess sich nicht festnageln. Immerhin musste er vor Schawinski zugestehen, dass er sich nicht von den Schlägern distanzieren mag. Wer Augen und Ohren hat, weiss jetzt besser Bescheid über den braunen Unrat von rechts.- Gb