Milliarden könnten gespart werden
Der Effizienzplan, den die internationale Beraterfirma McKinsey für das israelische Verteidigungsestablishment ausgearbeitet hat, gelangt zum Schluss, dass mit seiner Verwirklichung der israelische Steuerzahler rund 1,6 Milliarden Schekel jährlich sparen könnte. Diese Zahl nannten an einer Pressekonferenz in Tel Aviv Pinchas Buchris, Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, und der stellvertretende Generalstabschef, Generalmajor Benny Gantz.
Das israelische Verteidigungsbudget für das laufende Jahr betrug 52,1 Milliarden Schekel. Gemäss dem von McKinsey entwickelten Plan – er läuft im Verteidigungsministerium unter dem Codenamen «Erntezeit» – dürfte die Armee im nächsten Jahr zwischen 290 und 360 Millionen Schekel einsparen. Im Jahr 2011 dann könnte diese Summe auf 510 bis 630 Millionen steigen. Laut McKinsey würde es auch in den Jahren danach im gleichen Stil weitergehen: 2012 würden die Einsparungen bei 810 bis 990 Millionen Schekel liegen, 2013 bereits 1,1 bis 1,4 Milliarden. Von 2014 an sollten die Ersparnisse bei 1,3 bis 1,6 Milliarden Schekel liegen.
Einheitliche Verwaltung gefordert
Das Effizienzprogramm, das noch dieses Jahr in Kraft gesetzt werden soll, wird die Bau-, Kauf- und Unterhaltspläne der israelischen Armee beeinflussen. Ein von Buchris und Gantz geführter Lenkungsausschuss wird die Umsetzung des Programms in die Tat überwachen. Alle eingesparten Summen werden der Rüstung und der Kriegsbereitschaft zugeführt werden. Im Jahr 2010 wird die IDF beginnen, mit McKinsey an einem Effizienzplan zu arbeiten, der sich auf die in der Armee tätigen Arbeitskräfte konzentrieren wird. Die Beraterfirma wird für ihre Dienstleistungen 22 Millionen Schekel erhalten.
Buchris und Gantz erklärten, die Offiziellen des Verteidigungsestablishments seien den Empfehlungen der israelischen Brodet-Kommission für die Jahre 2008 bis 2017 verpflichtet. Die Kommission, die ein Mehrjahresbudget für die IDF ausgearbeitet hat, empfiehlt einen Zuwachs der Verteidigungsausgaben zwischen 2008 und 2017 um 100 Milliarden Schekel, wobei jährlich 30 Millionen durch ein Effizienzprogramm gestrichen werden würden. Dieses Programm sei nur ein Aspekt eines umfassenden Effizienzplans.
McKinsey empfiehlt der israelischen Armee, zwischen 350 und 450 Millionen Schekel ihrer Bauvorhaben zu streichen; das sind etwa 14 Prozent ihres jährlichen Baubudgets von 3,3 Milliarden Schekel. Gemäss dem Bericht sind die Baukosten in der Armee bis zu zweimal so hoch wie im zivilen Sektor. Diese Diskrepanz erklärt sich unter anderem durch die Tatsache, dass das Bauprozedere in der Armee von der Planungs- bis zur effektiven Bauphase auf viele Departemente aufgeteilt ist. Sowohl eine vereinheitlichte Verwaltung als auch eine klare Kette der Verantwortung fehlen. McKinsey empfiehlt die Bauabteilungen im Verteidigungsministerium und in der IDF zu schliessen und sie durch eine neue Infrastrukturabteilung im Ministerium zu ersetzen. Diese Abteilung würden Offiziere und Angestellte des Verteidigungsministeriums besetzen. Zudem wird auch die Auslagerung vieler Projekte vorgeschlagen.
Organisatorische Veränderungen
Laut McKinsey würde eine Optimierung des Kaufvorgangs in der Armee rund 800 Millionen bis eine Milliarde Schekel im Jahr sparen – das sind rund acht Prozent. Pro Jahr kauft die israelische Armee Ware für rund 12 Milliarden Schekel ein,
wobei Rüstungskäufe hier nicht eingeschlossen sind. Das sind über 20 Prozent des gesamten Verteidigungsbudgets. Das Einkaufssystem beschäftigt Tausende von Menschen, einschliesslich Delegationen in aller Welt. Das grösste Zentrum der IDF befindet sich in New York.
Laut den Ergebnissen des Berichts sind die Einkäufe des Verteidigungsestablishments nicht immer von klaren Kompetenzverhältnissen geprägt. So empfiehlt McKinsey organisatorische und prozedurale Veränderungen beim New Yorker Einkaufsteam, das um 30 Prozent gekürzt werden sollte. Ferner wären Kompetenzverhältnisse und Überwachung zu verbessern, und für die Armee und das Verteidigungsministerium wären integrierte Einkaufteams zu schaffen. Zudem müssten die Fachkenntnisse der im Einkaufswesen tätigen Angestellten verbessert werden.
Im Bereich des Unterhaltswesens könnte eine Verbesserung der Effizienz bei den Bodentruppen und der Luftwaffe der IDF Einsparungen von 140 bis 170 Millionen Schekel jährlich zur Folge haben. Der Unterhalt verschlingt rund zwei Milliarden Schekel des jährlichen Verteidigungshaushalts. McKinsey bestätigt, dass einige Ressorts des militärischen Unterhaltswesens hoch effizient sind, während andere noch grossen Raum für Verbesserungen aufweisen.