Medizinische Zukunftsdiagnosen

Daniel Zuber, May 27, 2010
Die medizinischen Entwicklungen der letzten Jahre werfen neue Fragen auf. So zum Beispiel, wenn durch die Fortschritte in der Genetik Gesundheitsrisiken vorausgesagt werden können. Doch was bedeutet dies für die Betroffenen? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Symposiums, das im Juni in Basel stattfinden wird.
GENETIK Durch neue Prognosemöglichkeiten stellen sich neue Fragen

Fortschritte in der modernen Medizin ermöglichen es in zunehmendem Masse, die Zukunft steuerbar oder zumindest prognostizierbar zu machen. Gesundheits- beziehungsweise Krankheitsverläufe können durch neuartige Diagnoseverfahren mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden. Ebenso der Erfolg therapeutischer Massnahmen. Dank der Genforschung wurden auch etwa die Möglichkeiten, Gesundheitsrisiken noch vor dem Eintreten physischer Krankheitssymptome zu erkennen, stark verbessert. Paradoxerweise geht mit dieser Entwicklung hin zur Zukunftsdiagnose eine neue Dimension der Unsicherheit für den betroffenen Patienten einher. Wie geht man mit solchen Prognosen um? Was fängt man etwa mit der Information an, in den nächsten zehn bis

15 Jahren mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Leberkrebs zu erkranken? Damit verbunden ist auch eine ganze Reihe grundlegender ethischer Fragen. Welche Antworten bieten die moderne Medizinethik und die praktische Philosophie? Wie stehen die verschiedenen Religionen zu dem Thema und welche Strategien bieten sie an, um mit diesem mit Unsicherheit gepaarten Zukunftswissen umzugehen?

Der Verleger Thomas Karger engagiert sich seit Jahren für Ethikfragen in der Medizin. «Bereits vor zwei Jahren fand ein Symposium mit dem Titel GenEthics and Religion statt. Das Buch dazu ist soeben im Kargerverlag erschienen», ergänzt er. Unter der Schirmherrschaft der Universität Basel und der Swiss Academy of Medical Sciences (SAMW) organisiert der Karger Verlag auch dieses Jahr eine Konferenz zum Thema. Das Symposium trägt den Titel «Knowing One’s Medical Fate in Advance» und zielt darauf ab, den oben gestellten Fragen auf den Grund zu gehen. Die interdisziplinär ausgerichtete Konferenz bringt Spezialisten aus den Fächern Medizin, Ethik, Philosophie, Religionswissenschaften und Theologie zusammen. In Plenarvorträgen und Diskussionen soll ein Bewusstsein für sozial- und individualethische Implikationen aktueller Möglichkeiten der modernen Medizin geschaffen werden.

Unter dem Titel «Knowing One’s Medical Fate in Advance» findet von Donnerstag bis Freitag, 10.–11. Juni, im Zentrum für Lehre und Forschung, kleiner Hörsaal, an der Hebelstrasse 20 in Basel ein interdisziplinäres Symosium statt. Informationen zum Programm und die Möglichkeit zur kostenlosen Anmeldung sind zu finden auf www.karger.com/ethics.