Martin Indyk ist kein Spion
Am Wochenende wurde Martin Indyk, dem amerikanischen Botschafter in Israel, die Unbedenklichkeitserklärung in Sicherheitsfragen vorläufig aberkannt. Bis zur Klärung des Falles muss Indyk in Washington bleiben. Dabei geht es dem Vernehmen nach nicht nur um vertrauliche Information, die Indyk als Botschafter in Tel Aviv falsch behandelt haben soll, sondern um Verfehlungen während seiner Arbeit als Assistent von Aussenministerin Madeleine Albright.
Konkret stehen offenbar die Notizen zur Diskussion, die Indyk sich während Gesprächen mit Nahost-Politikern auf seinem Laptop-Computer gemacht haben soll. Gemäss geltenden Usanzen verletzt dies die von der Administration aufgestellten Sicherheitsregelungen. Hingegen wird der Botschafter ausdrücklich nicht verdächtigt, geheime Dokumente in seinen Computer kopiert oder an Unbefugte weiter gegeben zu haben.Nachdem er mit Indyk gesprochen hatte, meinte Itamar Rabinovich, ein ehemaliger israelischer Botschafter in den USA, Indyk kämpfe heute «um seinen guten Ruf und um seine Zukunft. Er hat das Gefühl, den Preis für eine bestimmte Atmosphäre zu zahlen, die rund um Sicherheitsfragen geschaffen worden ist.»In einem anderen Zusammenhang wirft Martin Indyk selber den Medien eine grobe Falschinterpretation seiner Äusserung vor, alle Glaubensbekenntnisse müssten sich in Jerusalem teilen. In einem Brief an die Präsidentenkonferenz der wichtigen jüdischen Organisationen der USA schreibt Indyk, es sei «traditionelle amerikanische Politik, anzuerkennen, dass Jerusalem eine drei Religionen heilige Stadt» sei. Seine von den Medien aufgegriffenen Worte hätten sich auf die Notwendigkeit für Toleranz und gegenseitigen Respekt konzentriert. Die USA seien schon immer der Ansicht gewesen, führte Indyk in seinem Brief weiter aus, dass der endgültige Status Jerusalems von den direkt beteiligten Parteien ausgehandelt werden müsse. «Leider haben einige Journalisten meine Bemerkungen verzerrt und sie in eine Kritik an Israel umgewandelt, was sie nicht waren.»
Rechtskreise in Israel machen keinen Hehl daraus, dass ihnen die Schwierigkeiten, in denen Indyk derzeit steckt, gut ins Konzept passen, haben sie dem Botschafter doch schon immer eine araberfreundliche Haltung und übermässige Sympathien für Ehud Baraks Ideen vorgeworfen.