Mammutprozess gegen Israeli

von Igal Avidan, October 9, 2008
Am Montag begann in München ein Mammutprozess gegen einen Israeli, der beschuldigt wird, seine deutsche Ehefrau ermordet zu haben. Der 30-jährige Elektrotechniker Ilan T. soll die gebürtige Münchnerin und promovierte Biologin Ursula Glück «heimtückisch und aus Habgier» erschossen haben, um ihre Lebensversicherungen von etwa 1,5 Millionen Mark zu erhalten. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld und behauptet, Glück sei von zwei Männern überfallen und ermordet worden. «Ich bin ein Opfer zweier Tragödien», sagte er vor kurzem der israelischen Zeitung Maariv. «Ich habe nicht nur meine Frau, sondern auch meine Freiheit verloren.»

Tessler und Glück haben sich 1992 in der Stadt Rehovot in Israel kennen gelernt, wo die acht Jahre ältere Biologin am Weitzman-Institut promovierte. Obwohl sich die Tesslers, die den Holocaust überlebt hatten, gegen die Beziehung waren, heiratete das Paar in New York drei Jahre später. Glück plante gleichzeitig, zum Judentum überzutreten.
Im Januar 1997 reiste das Ehepaar nach Peru und machte sich auf den Weg des so gennanten Inka Trail nahe Machu Picchu. Am frühen Morgen des 7. Januars wurde die schlafende Glück im abgelegenen Zelt durch einen Kopfschuss getötet. Tessler behauptet, er habe sich sein Leben bei den Räubern freigekaufTessler Eine Woche später wurde die 34-Jährige in München begraben.
Anfang 1999 wurden die inzwischen geschlossenen Ermittlungsakten wieder geöffnet, nachdem herausgefunden wurde, dass Tessler eine hohe Lebensversicherung auf seine Frau abgeschlossen hatte. Bei einem Besuch in Deutschland wurde er im April 1999 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger Peter Guttmann erzählte, dass Tessler inzwischen deutsch lernt und regelmässig vom Chabad-Rabbiner Israel Diskin besucht wird. «Er ist kämpferisch und möchte seine Unschuld beweisen», so Guttmann. Seine Familienangehörigen haben eine Wohnung in München gemietet und planen, Tessler während des gesamten Prozesses zu unterstützen. Sein Prozess beim Landesgericht München, einer der grössten Indizienprozesse in Deutschland, soll mindestens vier Monate dauern, die Ermittlungsakten umfassen 16 000 Seiten, und die Staatsanwaltschaft will rund 120 Zeugen vernehmen, aus Israel, den USA und Lateinamerika. Die Tatwaffe oder Zeugen der Mordtat wurden jedoch niemals gefunden. Wenn Tessler für schuldig befunden wird, kann er mit einer lebenslangen Haft rechnen.