«Made in Israel»?

Von Gisela Blau, March 4, 2010
Gegenwärtig werden online Unterschriften für zwei Petitionen zum Thema Israel gesammelt. Die eine richtet sich gegen das Schweizer Fernsehen, dem von den Initianten eine einseitige Berichterstattung vorgeworfen wird.
DATTELN AUS ISRAEL Ein Bericht im «Kassensturz» über Datteln aus den Plantagen der besetzten Westbank erregt die Gemüter

Zwei Monate nach einem «Kassensturz»-Beitrag des Schweizer Fernsehens gelangte eine Petition in Umlauf, die bisher rund 500 Leute unterschrieben haben, Juden und Nichtjuden, aus der Schweiz, Deutschland und Israel, mit dem Titel «Gegen eine stete unausgewogene, verzerrte und tendenziöse Darstellung des Nahostkonflikts durch das Schweizer Fernsehen». Viele fügten ihrem Namen einen entsprechenden Kommentar bei. Der Text fällt gleich mit der Tür ins Haus. Der genaue Text lautet (Deutschfehler von den Verfassern): «Sehr geehrter Herr Haldimann, die unterzeichneten Schweizer Bürger und Bürgerinnen sind verwundert, erschreckt und erbittert wegen der steten unausgewogenen, verzerrten und tendenziösen Darstellung des Nahostkonflikts durch das Schweizer Fernsehen. Sie protestieren dagegen und ersuchen Sie, die Antisemitismus fördernden bisherigen Präsentations-Leitlinien einer sorgfältigen Überprüfung zu unterziehen. Wir betrachten Schilderungen und Kommentare, wie sie beispielsweise im ‹Kassensturz› vom 22.12.09 sichtbar waren als unseriöse, unsachgemässe und kontraproduktive Entstellungen, die bei jenen Zuschauern, die mit der Entstehungsgeschichte Israels unvertraut sind, ein von der Wirklichkeit entferntes Zerrbild erzeugen.»

Einseitig und unausgewogen

Die Petition wirft zudem dem Israel-Korrespondenten André Marty vor, dass er
eine «völlige einseitige, unausgewogene Einstellung zur Existenz und dem Handeln Israels andauernd beweist». Die Petition allein wegen des «Kassensturz»-Beitrags findet Hartmuth Attenhofer, Präsident der Gesellschaft Schweiz-Israel, Sektion Zürich, ein Mitunterzeichner, «vielleicht etwas überspitzt», aber er teilt die Kritik an André Marty: «Er war früher offener und hat sich stark verändert.» Andererseits werde kein Korrespondent für Berichte aus einem anderen Land derart genau beobachtet. Andere Medienbeobachter beurteilen Martys Arbeit dagegen als gut. Das Schweizer Fernsehen hat nach Auskunft ihres Mediensprechers von der Petition gehört, will aber erst Stellung nehmen, wenn sie eingetroffen ist.

Geschrieben wurde der Petitionstext, so steht es zuunterst im Kleingedruckten, vom Forum für Israel und kreiert vom Forum für Israel Schweiz. Seit Dienstagnacht ist auf der Internetseite ein Hinweis auf die Petition zu finden: «Auf Anregung eines schweizerisch-israelischen Doppelbürgers, haben wir eine Petition betr. der äusserst einseitigen Berichterstattung über SF DRS, insbesondere von Korrespondent André Marty, lanciert. (...) Wir sind überzeugt, dass der stark zunehmende Antisemitismus in grossem Masse mit der unfairen Berichterstattung in unseren Medien zusammenhängt.»

Der Zorn der Unterzeichnenden entlud sich an einer kurzen Reportage im «Kassensturz» vom 22. Dezember 2009 von André Marty und Liz Horowitz über Datteln, die auch dann als «Made in Israel» und damit als zollfreie Exportware deklariert würden, wenn sie von Plantagen in der besetzten Westbank stammten. 2000 Tonnen Datteln, so der Report, würden von der Schweiz importiert; ein Drittel stamme aus Israel, aber auch aus dem Jordantal. Ein unkenntlich gemachter Arbeiter erklärt, er bekomme pro Arbeitsstunde zehn Schekel, für zwölf Stunden also 33 Franken. Eine Palästinenserin, die im Auftrag einer israelischen Arbeitsorganisation unterwegs ist, behauptet dagegen, die Arbeiter würden weniger Geld erhalten. Dalit Baum von der israelischen Organisation Who Profits («Wer profitiert») sagt, wenn die Datteln nicht richtig deklariert würden, sei dies Betrug an Zollbehörden und Konsumenten. Die Lieferfirma mische Datteln aus Israel und aus den besetzten Gebieten.

Keine Konsequenzen

Mediensprecher von Coop und Migros wurden gezeigt, die bekräftigten, ihre Firma würde keine Datteln aus der Westbank akzeptieren. Heute tönen beide Grossverteiler allerdings zufrieden: «Coop bezieht weiterhin Datteln aus Israel von unserem Dattel-Lieferanten Hadiklaim», so Coop-Mediensprecherin Denise Stadler. «Eine Coop-Delegation reiste Mitte Februar nach Israel, um sich vor Ort zu vergewissern, dass die Vertragsvereinbarungen korrekt eingehalten werden. Da unsere Spezialisten keine Täuschung oder Falschdeklarationen entdeckten, sind keine Konsequenzen nötig. Wie bereits aus der Herkunftsbestätigung von Hadiklaim hervorgeht, stammen die Datteln aus der Region Ardom. Die Herkunft bestätigen sowohl Hadiklaim als auch die israelischen Zollbehörden. Wegen Engpässen wurde in der vergangenen Saison ein Teil der Ernte im Tomer Packing House verpackt, das sich in der Westbank befindet. Zwingend ist gemäss Deklarationsver-
ordnung nur die Angabe des Herkunftslandes, nicht aber des Ortes der Abpackung.»

Nathalie Eggen, Mediensprecherin der Migros, sagt, dass bereits vor Weihnachten eine Besprechung mit dem Lieferanten Hadiklaim stattgefunden habe. «Er hat uns nicht verheimlicht, dass er sechs von 200 Tonnen Datteln in der Westbank abpacken lassen musste. Deshalb ist ein Boykott für Migros kein Thema.» Noch im März reise wieder eine Migros-Delegation nach Israel, um zu kontrollieren, was der Lieferant garantiere. «Auch später sollen von Zeit zu Zeit Stichproben durchgeführt werden.»

Steter Streitpunkt

Die Deklaration von in besetzten Gebieten hergestellten Waren ist seit 2001 immer wieder ein Streitpunkt Israels mit Zollbehörden. Ende Februar fällte der Europäische Gerichtshof nach langem Rechtsstreit ein Urteil gegen Israel wegen seiner erfolgreichen Sprudelmaschinen Soda-Club, die in Maale Adumim in der Westbank und nicht am Hauptsitz hergestellt werden. Für die Zollbehörden gilt als
Made in Israel» nur Ware, die innerhalb der Grenzen vor 1967 produziert wird.