Lust und Frust auf Kufen
Das Fazit für die aktuelle Saison ist bei den diversen jüdischen Eishockeyprofis unterschiedlich ausgefallen. Bei einigen lief es persönlich sehr gut, aber das Team verpasste das Saisonziel. So wurde zum Beispiel Corey Pecker vom Lausanne HC einstimmig zum besten National-Liga-B (NLB)-Spieler der Saison gewählt. Seine Leistung war über keinen Zweifel erhaben. Aber sein Hauptziel, den Aufstieg in die National-Liga-A (NLA), verpasste er mit seiner Mannschaft. Gleiches gilt für seinen Teamkollegen Eric Himelfarb. Der zudem wegen Verletzungen während der Saison etwas leiden musste. Aber Himelfarb winkt, sollte der EHC Biel den Aufstieg gegen den EHC Basel schaffen, als Neuzugang des EHC Biel dennoch eine Promotion in die NLA. Andere haben einen ähnlichen Parcours erlebt: National-Hockey-Liga (NHL)-Star Mike Camalleri von den Los Angeles Kings konnte nach einem starken Saisonbeginn wegen einer Verletzung lange Zeit nur tatenlos zusehen, wie seine Mannschaft den Anschluss an die Playoff-Plätze bald verlor und sich im Tabellenkeller der NHL wiederfand. Wie lief es bei den jüdischen Eishockeystars in dieser Saison? Wer kann noch einen Erfolg verbuchen? Für wen ist die Saison zu Ende und mit welchem Fazit? Hier unsere Übersicht der aktuell bekanntesten und besten jüdischen Eishockeyprofis:
Corey Pecker, Lausanne HC: Der Dominator
Er war der grosse Dominator unter den NLB-Profis. Corey Pecker wurde vom Fachmagazin «Top Hockey» nach einer Umfrage bei allen Trainern und Kapitänen der NLB zum Spieler des Jahres gekürt. Seine persönliche Bilanz kann sich sehen lassen: 96 Skorerpunkte sammelte er in der regulären Saison, 21 weitere in den Playoffs. Eine stolze Bilanz für den besten Spielmacher der Liga.
Eric Himelfarb, Lausanne HC: Der Profiteur
Himelfarb startete furios in die Saison 07/08. Doch dann wurde er von einer Verletzung gebremst. Deshalb ist sein Saisonfazit etwas durchwachsen. Jedoch ist er wohl der «grosse heimliche Gewinner» der NLB-Saison auf der Transferfront. Lausanne verlängerte seinen Vertrag nicht, weil die Mannschaft einen anderen ausländischen Topstar neben Pecker für das kommende Jahr verpflichtete. Himelfarb unterschrieb indessen beim EHC Biel. Und nun kann er sich auf die NLA freuen. Seine Statistiken können sich aber auch sehen lassen: 69 Punkte in der regulären Saison, 19 in den Playoffs.
Brandon Dubinsky, New York Rangers: Der Aufsteiger
Er war der grosse Aufsteiger der Saison in New York. Brandon Dubinsky hat die schwierigen, aber begeisterungsfähigen Fans im Madison Square Garden mit seiner aggressiven und aufsässigen Spielweise, aber auch mit seinem manchmal losen Mundwerk begeistert. In der Formation mit einem anderen Agitator, Sean Avery, und mit dem Superstar Jaromir Jagr etablierte sich der junge 21-jährige Centerspieler mit seiner Schnelligkeit und taktischen Stärke in der Mannschaft. Dubinskys Saison ist noch nicht zu Ende, denn er will nun in den Playoffs mit den «Blueshirts» den Titel holen. Als Neuling in der NHL erreichte er gute 40 Skorerpunkte und war sechstbester Punktesammler der Rangers.
Mike Camalleri, Los Angeles Kings: Der WM-Titelverteidiger
Eine schwere Saison für den Topskorer. Camalleri wurde eine 60-70 Punkte-Saison vorausgesagt. Doch der Powerplay-Spezialist und sogenannte «geborene Skorertyp» verletzte sich schwer und musste 19 Spiele pausieren. Dementsprechend gab es «nur» 47 Punkte zu verbuchen, was ihm aber dennoch intern den fünften Platz in der Skorerliste einbrachte. Das Team war zudem in dieser Saison ganz klar unter den Erwartungen geblieben. Camalleri kann aber an den Weltmeisterschaften in Québec seine Saison doch noch mit einem Erfolg krönen: Mit Team Canada wurde er 2007 Weltmeister und versucht den Titel nun auch 2008 wieder vor einem Heimpublikum zu verteidigen.
Mathieu Schneider, Anaheim Ducks: Der Veteran
Der «alte Mann und der ewige Griff nach den NHL-Sternen»: Mathieu Schneider ist zweifelsohne einer der sympathischsten, erfahrensten, intelligentesten, konstantesten und effektivsten NHL-Offensiv-Verteidiger der letzten 20 Jahre. Aber: Er hat seit 1993 (mit Montreal) keinen Stanleycup-Sieg mehr errungen. Nun will er in der Startruppe der Anaheim Ducks in dieser Saison den Titel verteidigen. Es wäre der zweite für Anaheim und auch der zweite für ihn. Nach einer Verletzungspause zu Beginn der Saison (18 Spiele out) kam Schneider wieder gut in Fahrt und erzielte immerhin 39 Skorerpunkte – damit ist er Sechster in der internen Skorerwertung, normalerweise kommt er seit 1992 regelmässig jeweils auf über 50 Punkte. Er war wie immer der Verteiler und Schütze an der blauen Linie in den Überzahlsituationen und wird in den Playoffs eine geballte Ladung Erfahrung in die Wagschale werfen können.
Jeff Halpern, Tampa Bay Lightning: Die Kämpfernatur
Der Defensivstürmer und NHL-Veteran Jeff Halpern, Mitglied der US-Nationalmannschaft, wurde im Februar nach einer eher durchwachsenen Saison in einem Mega-Deal von Dallas nach Tampa Bay transferiert. In Florida etablierte sich der erfahrene Halpern schnell als Führungsspieler und blühte wieder auf. Was jedoch nicht mehr half, die Lightnings («Bolts» im Volksmund) auf Playoffkurs zu bringen. Halpern wurde drittbester Skorer des Teams mit 42 Punkten hinter den beiden Topstars Vincent Lecavalier und Martin St. Louis. Wird Halpern für die Weltmeisterschaften im Mai ins US-Team aufgeboten, kann er seine Saisonbilanz noch mit einem WM-Erfolg aufbessern.
Wade Dubielewicz, New York Islanders: Der «Allzeit-bereit-Mann»
Der Backup-Keeper der New York Islanders hatte letzte Saison nach der Verletzung des Stammkeepers Rick DiPietro das Team nach einem dramatischen Penaltyschiessen in die Playoffs befördert. Diese Saison lief es in Long Island nicht mehr so rund, und erneut war Rick DiPietro verletzungsanfällig. So konnte Wade Dubielewicz auch heuer einige NHL-Einsätze feiern. Diesmal waren es 20 (neun Siege, neun Niederlagen, zwei Overtime-Niederlagen). Die Bilanz war nicht schlecht, in Anbetracht dessen, dass die New York Islanders nur 35 ihrer 82 Spiele gewinnen konnten und klar die Playoffs verpassten. Dubielewicz rangierte sich mit seiner Einzelstatistik von 2,7 Gegentoren pro Partie und 91,9 Prozent Fangquote im Mittelfeld der NHL-Keeper.
Weiter erwähnenswert: Marek Schwarz hatte als Torwart Nummer drei der St. Louis Blues bei seinen beiden Einsätzen kein Glück und kassierte sieben Treffer. Gross auftrumpfen konnte jedoch der NHL-Neuling und Tscheche Tomas Fleischmann von den Washington Capitals. Er etablierte sich in der NHL als Mitglied einer der attraktivsten Mannschaften der Welt und erzielte 30 Skorerpunkte. Manchmal spielte er gar in der Topformation mit dem Superstar Alexander Ovechkin.
Joël Wüthrich