Lösung eines grossen Rätsels

von Avi Ahmul, October 9, 2008
Türkische Taucher behaupten, die Überreste der «Struma» gefunden zu haben, des Dampfschiffs, das auf dem Weg nach Palästina mit 779 «illegalen» Einwanderern an Bord sank, als es im Februar 1942 von einem russischen Torpedo getroffen wurde. Nur ein Passagier hatte die Katastrophe überlebt.

Nach dreieinhalb Jahren der Suche und Nachforschungen behaupten die Türken nun, in einer Tiefe von fast 90 Metern die Überreste des Dampfers «Struma» geortet zu haben, der im Februar 1942 sank, als er von einem russischen Torpedo getroffen wurde. An Bord befanden sich 779 rumänische Juden, die auf dem Weg nach Palästina waren. Die «Struma» war 1830 als Schiff für den Transport von Vieh gebaut worden und hätte maximal 100 Passagiere aufnehmen dürfen. Die Bekanntgabe des türkischen Erfolges kam eine Woche, bevor der britische Geschäftsmann und Taucher Greg Buxton eine private Expedition zur Entdeckung der «Struma» starten wollte. Buxton wird vom Holocaust-Museum der USA finanziell unterstützt.
Buxton behauptet, die Türken hätten alles unternommen, auch Versuche, die Regierung in Ankara zu involvieren, um die Ankunft seines Teams zu verhindern. Der Taucher räumt ein, dass die Türken an der richtigen Stelle gesucht und möglicherweise tatsächlich die Reste der «Struma» gefunden hätten. Allerdings liesse, so Buxton, der gute Zustand der gefundenen Schiffsteile Zweifel aufkommen, nachdem das Wrack doch schon seit 1942 auf dem Grund des Meeres gelegen hätte.
Die türkischen Taucher arbeiten für die Unterwasser-Forschungsgesellschaft in der Türkei, die erklärt, ihre Behauptung mit Forschungs- und Videomaterial untermauern zu können. «Seine Länge, seine Tiefe und sein Heck sind identisch mit den Massen der \"Struma\"», sagt Levent Yuskel, einer der Taucher. Buxtons Team von 14 Tauchern, unter ihnen Leute, die bei der Lokalisierung der im Mittelmeer gesunkenen «Britannic», eines Tochterschiffs der «Titanic», mitgearbeitet hatten, will seine Arbeit in Begleitung einer kanadischen TV-Crew am 8. August aufnehmen. Sobald sie das Schiff gefunden haben, beabsichtigen sie, eine Gedenktafel an die Überreste anzubringen, auf der die Tragödie beschrieben wird. Am 3. September soll über der Fundstelle eine Zeremonie in Anwesenheit der Nachkommen der Opfer und David Stoliars, des einzigen Überlebenden, stattfinden. Der heute in Oregon lebende Stoliar, der zur Zeit der Katastrophe 19 Jahre alt war, behauptet, rund 80 Passagiere hätten den Beschuss überlebt, seien aber im kalten Wasser erfroren. «Wir müssen die Zeremonie jetzt abhalten», sagt Buxton, «denn einige der Überlebenden sind schon mehr als 90 Jahre alt.» Bestandteil der Zeremonie wird das Kaddisch-Gebet sein. Menschliche Überreste werden wohl kaum gefunden werden, doch die Taucher hoffen, verschiedene kleine Gegenstände zu entdecken, die der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem oder dem amerikanischen Holocaust-Museum übergeben werden können. «Wir werden nichts unternehmen, was die Ruhe des Schiffes stören könnte», versichert Buxton.

Haaretz