Liebe
Für lange Zeit war Teofila Reich-Ranicki vor allem eines: die Frau des gefürchteten und verehrten Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Wo er war, war auch sie nicht weit, stets sass sie bei seinen Auftritten in der ersten Reihe. 20 Jahre alt waren die beiden, als sie sich im Warschauer Ghetto kennenlernten – ein schicksalhafter Tag, an dem sich ihr Vater, ein erfolgreicher und angesehener Textilhändler aus Lodz, umgebracht hatte. Die Mutter von Marcel Reich-
Ranicki forderte ihn auf, sich um die junge Frau zu kümmern – es entstand eine lebenslange Liebesgeschichte. Das Paar, das 1942 heiratete, überlebte gemeinsam die Jahre im Untergrund, nachdem sie aus dem Ghetto fliehen konnten. Doch Teofila war mehr als die Frau an der Seite eines berühmten Mannes. Dies zeigten ihre im Ghetto entstanden Aquarelle, die 1999 im Jüdischen Museum Frankfurt erstmals zu sehen waren. Bekannte und Freunde schätzen sie als ebenso kluge wie charmante und mit einem phänomenalen Gedächtnis ausgestattete Frau, gebildet und bewandert in den Künsten. Teofila Reich-Ranicki ist am 29. April 91-jährig in Frankfurt a. M. gestorben. [TA]