Kunden profitieren nur teilweise
In Zürich können die Kunden von Geschäften mit koscheren Lebensmitteln auch in diesen Tagen noch profitieren: Koscher-City gewährt auf 60 bis
70 Prozent seiner Produkte bis zu 30 Prozent Rabatt – und gibt den günstigen Euro-Wechselkurs an seine Kunden weiter.
Geschäftsführer Garry Herzog betont gegenüber tachles, dass die Preisreduktion «zahlreiche Produkte wie auch Snacks und Wein» betreffe. Auch Le-Shuk-Schmerling in Zürich hat die Preise vieler Waren gesenkt, die Kunden müssen hier sechs Prozent weniger für Fleisch zahlen als bisher und erhalten weitere Vergünstigungen auf Produkte aus Israel oder den USA.
Diverse Preisnachlässe
Neben den privaten Kunden profitieren auch Restaurantbetriebe von diesem Angebot, wie Chaim Baranes von Baranes-Grill in Zürich auf Nachfrage bestätigt: «Wir bekommen die Preisnachlässe bei unserem Einkauf positiv zu spüren. Bei der Fleischerei Kol Tuv kostet Fleisch aktuell sechs Prozent weniger». An seine Kunden gibt Baranes-Grill diesen Vorteil allerdings nicht weiter; die Speisekarte sei so kurzfristig nicht geändert worden. Ähnlich verhält sich die Situation im Holbeinhof in Basel. Küchenchef Marco DAlessandro sagt gegenüber tachles, dass das Restaurant nahezu alle seine Produkte in Zürich einkaufe – abgesehen von Oliven oder anderen Waren, die in kleineren Mengen zum Beispiel in der koscher-Abteilung beim Coop gekauft würden: «Wir erhalten auf viele Produkte Preisnachlässe im Zuge der wirtschaftlichen Veränderung», so DAlessandro; die Preise auf der Speisekarte seien aber auch im Holbeinhof unverändert.
Keine Reaktion
Anders sieht die Situation offenbar in Basel aus, da die jüdische Genossenschafts-Metzgerei aktuell nicht auf den Euro-Wechselkurs reagiert hat. Wie Leopold Stefansky, Verwaltungsrat der Metzgerei, gegenüber tachles betont, sei zwar die Preisliste, die Anfang des Jahres herausgegeben wurde, an die aktuellen Währungskurse angepasst worden. In den
vergangenen Wochen habe es allerdings keine weiteren Preisnachlässe gegeben, abgesehen von speziellen Aktionen zu Rosch Haschana. Stefansky glaubt dennoch nicht, dass mehr Kunden als bisher in Frankreich eingekauft hätten, da der Umsatz – verglichen mit den anderen Jahren – gleich geblieben ist. Direkt in der Metzgerei nachgefragt, wird auf Rabatte für Pouletfleisch von zehn Prozent seit August verwiesen. Zudem habe es anlässlich der Feiertage spezielle Preisreduktionen auf Suppenfleisch, Pökelfleisch und gefrorenes Poulet gegeben. Vorteile, von denen Albert Dreyfuss, Inhaber des Basler Restaurant Topas, wenig spürt: «Obwohl das koschere Fleisch aus den europäischen Nachbarländern in die Schweiz geliefert wird, werden uns in Basel keinerlei Ermässigungen gewährt, von denen wir als Restaurant profitieren könnten», sagt er. Stefansky rechtfertigt die Preispolitik der Metzgerei auch damit, dass der Betrieb – unabhängig vom Wechselkurs – zahlreiche Festgebühren wie den Importzoll in Franken zahlen müsse und diese Kosten sich nicht geändert hätten.
Migros und Coop
Inwieweit die Konsumenten von koscherer Ware bei den Detailhändlern Migros und Coop von Preisnachlässen profitiert haben, ist schwer auszumachen. Die
Migros führt national kein koscheres Sortiment, das entsprechend als solches
deklariert wäre. Monika Weibel, Mediensprecherin des Migros-Genossenschafts-Bunds, sagt: «Die Migros hat in diesem Jahr bereits bei über 5200 Produkten des tägliches Bedarf die Preise gesenkt. Vermutlich befinden sich darunter auch gewisse Produkte, die als koscher gelten. Aber welche das genau sind, lässt sich leider nicht eruieren. Wir haben auch keine Produzenten, von denen wir speziell koschere Produkte beziehen.» Die Israelitischen Cultusgemeinde Zürich hat eine Liste publiziert, auf der Produkte gelistet sind, die bei den verschiedenen Verteilern als koscher erachtet werden, hier ist auch die Migros mehrmals erwähnt. Von daher kann davon ausgegangen werden, dass die Kundschaft bei
gezieltem Einkauf und Produktvergleich die gesenkten Preise zu spüren bekommt.
Bei Coop sind Koscherprodukte nur in ausgewählten Verkaufsstellen erhältlich. Geführt werden bis zu 200 Artikel aus den Bereichen Grundnahrungsmittel, Molkerei sowie Tiefkühlprodukte. Das Sortiment wird durch den Lieferanten direkt mit der jeweiligen Verkaufsstelle im Hinblick auf die spezifischen Kundenbedürfnisse abgestimmt. Die grösste Auswahl ist im Supermarkt Zürich Sihlcity zu finden. Mediensprecherin Sabine Vulic räumt ein: «Wir haben von unserem Koscherlieferanten keine Euro-Vergütungen erhalten.» Es bestünden seitens des Coop aber auch keine konkreten Forderungen, weil «wir wissen, dass die Leistung, die der Lieferant erbringt – neben dem Import auch die verkaufsstellenspezifische Kommissionierung und Logistik – sehr kostenintensiv ist», sagt Vulic. Den Koscherlieferanten als «Wechselprofiteur» zu bezeichnen, wie der Coop es in anderen Fällen getan hat, scheint aus Sicht von Vulic, «in diesem Fall nicht gerechtfertigt».