Kritik reisst nicht ab

Von Valerie Wendenburg, April 1, 2011
Nach der Zerstörung der 21 Hologramme aus der ehemaligen Dauerausstellung reisst die Kritik an der Leiterin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera, nicht ab. Der Konstrukteur der Hologramme, ein Gerichtssachverständiger für Glastechnik, möchte nun an die Öffentlichkeit gehen.
DIE EHEMALIGE DAUEWRSAUSSTELLUNG Die Hologramme im Jüdischen Museum Wien wurden in Scherben geschlagen

Die Debatte über die zerstörten Hologramme im Jüdischen Museum Wien (vgl. tachles 8/11) hat bereits personelle Konsequenzen nach sich gezogen: Peter Menasse, Prokurist des Museums, gab Mitte März seinen Rücktritt bekannt. Offizieller Anlass war ein Eintrag auf Menasses Facebook-Site, in dem er seinem Ärger über die offene Kritik an Danielle Spera ausdrückte und dafür einen Spruch der SS umformulierte: «Unsere Ehre heißt Treue». Zahlreiche Museumsdirektoren hatten zuvor Danielle Spera und ihr Vorgehen in einem offenen Brief scharf kritisiert: So liess sie im Zuge der Renovationsarbeiten am Jüdischen Museum 21 Hologramme komplett zerstören und vernichtete mit dieser Aktion den Kern der ehemaligen Dauerausstellung, von dem nur noch 7,5 Tonnen Glasscherben übrig blieben.

Oberflächliches Gutachten?

Für Fachleute aus dem Museumsbereich bedeutet die Zerschlagung der Kunstwerke nicht nur den Verlust eines unwiederbringlichen Originals, sie warfen auch die Frage über den Umgang des Wiener Museums mit der Vergangenheit auf – denn über allem steht nach wie vor die Frage, ob die Hologramme nicht doch hätten demontiert werden können, was Spera bestreitet. Das Glastechnik-Unternehmen Frisch und Stiassny, das für die Konstruktion der Hologramme verantwortlich war, hat Spera bereits zum zweiten Mal aufgefordert, «die Falschinformationen» öffentlich zu widerrufen. Der Unternehmensinhaber Heinz Haring, der auch Gerichtssachverständiger für Glastechnik ist, betont auch gegenüber tachles, dass die Objekte demontierbar konstruiert worden seien. Für den sachgerechten Abbau der Hologramme hatte Haring der Museumsdirektorin bereits ein Angebot erstellt, ein Auftrag blieb aus und ein Termin zur Besprechung der Demontage wurde seitens des Museums abgesagt.
Das Museum liess im Zuge der Debatte nach der Zerstörung kurzfristig und nachträglich durch die Wien Holding, die Trägerin des Museums ist, ein Gutachten eines Sachverständigen für Haus- und Sportstättenbau erstellen. Dieses Gutachten entlastet Danielle Spera, da es festhält, dass die Hologramme «nicht demontierbar» gewesen seien. Haring kritisiert das Gutachten, das «auf die Schnelle und oberflächlich» und nicht von einem Glastechniker angefertigt worden sei und in dem nicht einmal die Glasstärke der Objekte angegeben werde. Haring plant, Anfang April an die Öffentlichkeit zu gehen, nachdem das Museum gar nicht auf seine Forderungen eingegangen ist – immerhin steht auch der Ruf seines Unternehmens auf dem Spiel. «Wir würden doch keine Konstruktion in einem Museum montieren, die man nicht wieder abbauen könnte», sagt er zu tachles.


Keinerlei Auskunft

Auf Nachfrage bei Danielle Spera erhielt tachles keinerlei Auskunft zum Thema. Der Mediensprecher des Museums, Alfred Stalzer, schrieb in einem Statement: «Die Hologrammdebatte ist mittlerweile mehr als ausreichend geführt worden, so dass es keiner weiteren Stellungnahme mehr bedarf.» Danielle Spera habe die persönliche Rücktrittsentscheidung von Peter Menasse zur Kenntnis genommen und hoffe nun, dass damit ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über die Arbeit des Museums eintrete. Jegliche Kritik an Speras Person als Verantwortliche in der Sache soll offenbar abgewendet werden, da Stalzer im Weiteren allein auf die bisherigen Leistungen der Museumsdirektorin verweist. Wie sie den Aussagen von Heinz Haring entgegentreten wird, wenn dieser mit detaillierten Informationen an die Öffentlichkeit treten wird, ist offen. Dass es auch im eigenen Hause nach Menasses Rückzug ungemütlich für Spera werden könnte, scheint offensichtlich: Noch vor Menasses Abgang haben zwei weitere Kuratoren das Jüdische Museum Wien verlassen. Das Haus hat mit ihnen innerhalb eines halben Jahres vier seiner acht Ausstellungsgestalter verloren. Ob Chefkuratorin Felicitas Heimann-Jelinek bleibt, ist fraglich. Sie hat die Hologramme Mitte der neunziger Jahre konzipiert. Während die Wien-Holding nach wie vor hinter Spera steht, sprach sich der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der Vizepräsident im Aufsichtsrat des Museums ist, in einer Stellungnahme für die Chefkuratorin aus. Sollte Heimann-Jelinek das Museum verlassen, «dann verliert das Jüdische Museum eine in der jüdischen Museumswelt einzigartige Fachfrau». Ob die beiden Frauen sich wieder annähern, ist ebenso ungewiss wie der Zeitpunkt der Wiedereröffnung des Museums, denn neben der Sanierung plant Spera einen kompletten Neuanfang mit einer Verlegung des Cafés, einer Erweiterung des Foyers, einem neuen Veranstaltungssaal – und einer neuen Dauerausstellung.