Kontroverse um Bucherscheinung
In seinem Buch «Palestine: From Jerusalem To Munich» gibt Abu Daoud, auch bekannt als Mohammed Oudeh, zu, die Geiselnahme an den Olympischen Spielen 1972 von München geplant zu haben. Bei der Aktion kamen elf israelische Sportler ums Leben. Unter den Opfern befand sich auch David Berger, ein amerikanisch-israelischer Doppelbürger aus Cleveland, der als Gewichtheber mit den Israelis nach München gereist war.
Deutschland hat einen Haftbefehl gegen Abu Daoud erlassen. Im Juni hatte Israel ihn daran gehindert, in die Westbank einzureisen, wo er die letzten drei Jahre gelebt hatte. Abu Daoud war damals in Jordanien gewesen, doch seither haben sich seine Spuren verloren.Anfang Jahr war das Buch in Frankreich erschienen, und in diesem Sommer will der amerikanische Verlag Arcade Publishing es herausbringen, doch ist noch kein offizielles Datum bekannt. Als die Pläne von der Veröffentlichung des Buches in den USA an die Öffentlichkeit drangen, protestierten die Familien von Amerikanern, die bei palästinensischen Terrorangriffen ums Leben kamen, beim Verlag und bei den führenden Buchhändlern des Landes. Auch die Zionistische Organisation Amerikas (ZOA) und der ehemalige Senator Howard Metzenbaum (Ohio), heute Vorsitzender des amerikanischen Konsumentenbundes, liessen ihre Opposition vernehmen. In einem Brief an verschiedene Verlagshäuser schrieb Metzenbaum, der ein guter Freund Bergers gewesen war, die Tatsache, dass Abu Daoud frei herumlaufe, sei «sehr schmerzvoll» für ihn. Noch unerträglicher sei der Gedanke, dass der Terrorist dabei ist, vom Verkauf eines Buches zu profitieren, in dem er sich seiner Rolle bei dem Anschlag rühmt.
Stephen Flatow, dessen Tochter Alisa 1995 bei einem Terroranschlag im Gazastreifen ums Leben kam, schrieb an Jonathan Bulkeley vom Verlag Barnes And Noble: «Als einer, der selber die schreckliche Erfahrung des tragischen Verlustes eines Kindes durch terroristische Aktivität gemacht hat, kann ich mir die Schmerzen lebhaft vorstellen, die Herr und Frau Berger empfinden, sollten sie durch Ihre Website gehen und feststellen, dass Sie ein Buch verkaufen, in dem der Mörder ihres Sohnes sich seiner Taten rühmt.» Das New Yorker Verlagshaus Arcade Publishing erklärte, die Sache prüfen zu wollen, war aber nicht bereit, telefonisch zu Fragen Stellung zu beziehen. Das Buchgeschäft Borders Group meinte, man werde das Buch nur in einer sehr beschränkten Auflage offerieren. Ein völliger Verzicht auf den Verkauf käme jedoch einer «Zensur» gleich. «Es war schon immer unsere Politik, die Kunden als intelligente Individuen zu betrachten, die selber entscheiden können, was sie lesen, was sie kaufen und was sie sich anhören», sagte eine Sprecherin des Geschäftes. Die meisten angefragten Unternehmen erklärten, das Buch nicht auffällig anpreisen, es aber im Sortiment halten zu wollen. «Das juristische Recht, Abu Daouds Buch zu führen, zweifle ich nicht an», schreibt Metzenbaum in seinem Brief, «doch appelliere ich an Ihr moralisches Urteilsvermögen.» Morton Klein, Präsident der ZOA, meint, Buchhändler würden ständig Entscheide darüber treffen, welche Bücher sich für den Verkauf eignen und welche nicht. Abu Daouds Buch müsse aus moralischen Gründen zurückgewiesen werden. «Wenn diese Buchfirmen», so sagte Klein, «Mördern von Amerikanern helfen, Geld mit ihren Büchern zu verdienen, dann sollten wir Amerikaner alles daran setzen, um sicherzustellen, dass diese Firmen an uns kein Geld verdienen.»
JTA