Kommen weitere 8700 Äthiopier?
Ein Jahr nachdem die letzten Falash Mura – Äthiopier jüdischer Abstammung, deren Familien aber vor Generationen zum Christentum übergetreten sind – in Tel Aviv gelandet sind, hoffen Aktivisten, der stetige Druck auf die israelische Regierung werde Früchte tragen und schliesslich zur Alija von mindestens weiteren 8700 Äthiopiern führen. «Die Gespräche laufen auf höchster Regierungsebene auf Hochtouren», erklärt Joseph Feit, der die äthiopische Einwanderung fördert und früher als Präsident der North American Conference on Ethiopian Jewry fungiert hat. Seine Organisation ist die wichtigste in Äthiopien tätige jüdische Hilfsorganisation.
Altes Problem
Die äthiopische Alija macht dem israelischen Staat schon seit Langem zu schaffen. Verschiedene Regierungen haben sich in der Vergangenheit schon dazu verpflichtet, jeweils eine bestimmte Zahl von Immigranten ins Land zu bringen, die nach Aussagen der Aktivisten den Rest der für die Alija in Frage kommenden Äthiopier darstellten. Sobald die genannte Zahl aber erreicht war, liess man Israel wissen, dass Tausende weitere zurückgeblieben seien.
27 000 Gesuche
Die jüngste Phase der Masseneinwanderung aus Äthiopien ging im vergangenen August zu Ende, als die letzten der über 16 000 Immigranten in Israel eintrafen, für die die Regierung von Ariel Sharon nach gründlicher Prüfung von rund 27 000 Einwanderungsgesuchen im Jahre 2003 grünes Licht gegeben hatte. Um die Kriterien für die jetzige, vielleicht letzte Chance zu erfüllen, müssen die Falash Mura Verwandte in Israel haben und bis zum 31. Juli ein Alija-Gesuch eingereicht haben. Das israelische Innenministerium sollte alle Gesuche bis zum 30. September überprüft haben. Israelische Offizielle sprechen von einer Zahl von rund 3000 Personen, die kontrolliert werden müssen. Demgegenüber fordern die Falash-Mura-Aktivisten Israel auf, weitere 8700 Äthiopier zu untersuchen, die angeblich in eingezäunten Zentren in der nordäthiopischen Stadt Gondar auf die Alija warten.
Den Aktivisten ist es bisher nicht gelungen, die israelische Regierung zu veranlassen, eine erneute Massenalija in Gang zu setzen. Äthiopier, welche die Kriterien erfüllen, werden nach Angaben der Jewish Agency in Gruppen von 100 Personen pro Monat nach Israel geflogen. «Die Aktivisten beginnen mit 3000 Fällen», sagte ein Sprecher der Agency, «doch bereits jetzt redet man von einer Gesamtzahl von 8000 bis 10 000.» Auf israelischer Seite wird befürchtet, dass es sich bei den 8700 zur Diskussion stehenden Äthiopiern vorwiegend um Christen handelt, die
eine jüdische Verbindung lediglich vorgaukeln, um der Armut in Afrika zu entrinnen. Laut einer Entscheidung der israelischen Regierung soll die organisierte Alija aus Äthiopien beendet werden, sobald die 3000 potenziellen Immigranten überprüft worden sind. Ähnliche Absichtserklärungen hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben, doch sind sie infolge des Drucks von Aktivisten in Israel und den USA immer wieder über den Haufen geworfen worden. Was nun geschehen wird, steht in den Sternen.