Kofferpacken oder kämpfen?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Na und? Österreich hat gewählt. Der Rechtsrutsch kam nicht unerwartet, er war von langer Hand vorbereitet. Nein, tun wir also nicht so, als seien wir überrascht und hüllen uns in Weltuntergangsstimmung. Auf der Suche nach Gründen stellt sich nun also die folgende Frage: Ist der Erfolg der FPÖ auf das Verschulden der anderen Parteien zurückzuführen oder hat das österreichische Volk schlicht und einfach seine Gesinnung kundgetan? Von beidem ein wenig. Wäre irgendwem daran ernsthaft gelegen gewesen, solch ein Resultat zu verhindern, dann hätte rechtzeitig ein wirksames Mittel gegen den Haider-Vormarsch gefunden werden können. Nichts geschah. Und während vor einigen Jahren die Mahner vor einem «Bundeskanzler Haider» warnten und mit abwiegelnden Handbewegungen in die Schranken gewiesen wurden, sorgt vor allem etwas für Aufshehen. Eine letzte Woche veröffentlichte Umfrage nämlich, deren Resultat mit dem Haider-Erfolg einher geht. 50 % der Österreicher, so ist zu vernehmen, sind fremdenfeindlich. Lassen wir Österreich also mit diesem Resultat leben, vielleicht sogar alleine zurechtkommen. Akzeptieren wir es, denn es ist eine Realität. Schliesslich ist Haider keine politische Eintagsfliege. Er sagt offen, was er will und was er denkt. Und deshalb ist die Eindeutigkeit des Resultats auf die Tatsache zurückzuführen, dass Haider eben offen sagt, was er denkt und was er will: ein Heimatland, möglichst ohne Fremde und nicht als Bestandteil des geeinten Europas, da wird fast nichts vertuscht. Dies bedeutet für die Juden, wie auch für die übrigen Minderheiten, alleine die Frage: ändert sich dieser Zustand oder nicht, will heissen, Kofferpacken oder gegen die Entwicklung ankämpfen, mahnen, warnen und sich einbringen. Sollte Letzteres die Konsequenz sein, so ist dies den Aktivisten hoch anzurechnen. Ob sie Blindheit oder Naivität bedeutet wird die Zukunft weisen.