Klarere Kaschrut-Regeln

Von Valerie Wendenburg, December 17, 2010
Die Ankündigung einer neu geltenden Kaschrut-Regelung innerhalb des Vereins Neuer Cercle sorgte in der Israelitischen Gemeinde Basel Ende Oktober für Aufsehen – die Verantwortlichen berieten sich nun erneut und möchten die Angelegenheit ein zweites Mal mit klareren Vorgaben kommunizieren.
KOSCHERE SPEISEN SELBST ZUBEREITEN Künftig können Gemeindemitglieder Empfänge oder Kidduschim ohne Aufsicht des Rabbinats im Saal des Cercle organisieren

Als die erste Mitteilung der Israelitischen Gemeinde Basel über die neue KaschrutRegelung, die innerhalb des Vereins Neuer Cercle gelten soll, ihre Adressaten erreichte, sorgte sie vielfach für Unverständnis oder Verwirrung (vgl. tachles 43/10). So hiess es, dass auch Speisen, die privat und nicht unter Aufsicht zubereitet werden, in den Cercle mitgebracht werden dürfen. Nirgendwo aber war zu lesen, dass es sich um koschere Speisen oder solche auf der Koscherliste handeln muss. Nun sollen diese Ungereimtheiten aus dem Weg geräumt werden: Voraussichtlich in der kommenden Woche wird ein zweites Schreiben in dieser Sache an die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) verschickt werden – in Abstimmung mit dem Verein Neuer Cercle.

Empfänge ohne Aufsicht

Die Grundidee ist nach wie vor, dass IGB-Mitgliedern die Möglichkeit geboten werden soll, künftig im Hause Cercle Kidduschim oder Empfänge selber und ohne Aufsicht des Maschgiach vorbereiten zu können. Wichtig sei für Rabbiner Yaron Nisenholz und Joel Weill, dem Vorsitzenden der Kommission für rituelle Betriebe in der IGB, dass die Küche im Hause Cercle nach wie vor unter koscherer Aufsicht stehe. Dies ist auch in den Statuten des Vereins Neuer Cercle festgehalten und daher ebenso ein Anliegen des Vereins. Wer die Küche nutzen möchte, muss dies somit auch künftig unter Aufsicht des IGB-Rabbinats tun – die entsprechenden Veranstaltungen sollen auch so gekennzeichnet werden.
Anlässe aber, die nur im Saal des Cercle stattfinden, können laut den Statuten des Cercle ohne Aufsicht der IGB organisiert werden: «Alle Veranstaltungen im Saal werden allein in Regie mit dem Verein Neuer Cercle organisiert» betont Weill. Rabbiner Nisenholz erläutert gegenüber tachles: «Diese Idee kam ursprünglich vom Verein Neuer Cercle, aber auch wir merkten, dass es ein Bedürfnis bei unseren Mitgliedern nach einen Raum gibt, in dem selbst organisierte und günstige koschere Anlässe ohne Aufsicht veranstaltet werden können.» Diesem Bedürfnis würde nun entsprochen, und eine Koscher-Aufsicht in der Küche des Hause Cercle bleibe weiterhin garantiert.

Harzige Kommunikation

Die neue Mitteilung wurde gemeinsam mit François Picard vom Verein Neuer Cercle erarbeitet, sie wird dieses Mal in gegenseitigem Einvernehmen verschickt. Das erste Schreiben im Oktober hatte offenbar auch für Verstimmung gesorgt, da die Verantwortlichen des Vereins im Vorfeld des Versands gar keine Kenntnis von dem Brief gehabt hatten. Auch gegenüber tachles taten sich die Verantwortlichen in den vergangenen Wochen schwer, Auskunft auf Anfragen in dieser Sache zu ­geben. Erst nachdem Guy Rueff, Gemeindepräsident der orthodoxen Einheits­gemeinde, sich für eine transparente Kommunikation in der Öffentlichkeit ausgesprochen und eine aufklärende Berichterstattung unterstützt hatte, gelangte die Redaktion an klare Informationen zu einer Angelegenheit, die innerhalb der Gemeinde bisher vor allem für Unklarheit gesorgt hat.