«Kindern Träume und eine Zukunft geben»

Von Yves Kugelmann, April 1, 2011

Mit einer klangreichen und beeindruckenden Gala feierte Kiriat Yearim, das Schweizer Kinderdorf in Israel, sein 60-Jahr-Jubliäum in Luzern und zeigte auf, wie durch gezielte Betreuung Kinder und Jugendliche erfolgreich in die Gesellschaft integriert werden können.
THE SPIRIT OF YEARIM Musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau

Bei Kiriat Yearim ist alles ein wenig anders, farbiger, liebevoller, authentischer: So konnte Präsidentin Na-
dine Berg die 400 Gäste während ihrer Ansprache im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum zu einem regelrechten «Familienfest» begrüssen – ein warme Atmosphäre, die sich durch den ganzen Anlass zog.

Licht spenden

Ursula Stämmer-Horst, Vizepräsidentin des Luzerner Stadtrats, erinnerte in klaren und passenden Begrüssungsworten an die Unantastbarkeit der Menschenwürde und an die damit verbundene Verpflichtung von Staat und Gesellschaft, diese gerade bei Kindern und Jugendlichen nicht nur mit Worten, sondern auch immer wieder mit Taten zu fordern und fördern. Erst dies stelle den Schutz von Schwächeren sicher. Stämmer-Horst verglich Kiriat Yearim mit der zusätzlichen Kerze «schamasch» am Chanukkaleuchter, die immer leuchte und den anderen Kerzen Licht und Feuer spende. Es folgten Dankesworte von Israels Botschafter Ilan Elgar. Er würdigte Kiriat Yearims zivilgesellschaftliches Engagement und verwies auf die soziale Schere, die sich auch in Israel in den letzten Jahren zusehends zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Schichten aufgetan habe. Für Israel sei der Einsatz für soziale Aspekte geradezu existenziell, so Botschafter Elgar.
Danach stand der Nachmittag ganz im Zeichen der Musik: Die Basler Klezmer-Gruppe Kol Simcha und die Jugendlichen von Kiriat Yearim mit The Spirit of Yearim sorgten für kurzweilige musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau. Die Jugendlichen touren noch bis nächste Woche durch Schweizer Städte. Die Sopranistin Noëmi Nadelmann, die das Patronat für das Jubiläumsjahr übernommen hat, überzeugte nicht nur mit einem vielseitigen Medley aus Opern- und Operettenarien sowie Stücken von George Gerswhin, sondern auch mit einer unterhaltsamen Performance. Vor allem gab sie im Gespräch mit Moderator David Karasek vertiefende Einblicke in die Arbeit von Kiriat Yearim. Vor einem Jahr besuchte sie das Kinderdorf: «Die Kinder werden mit Liebe weich gemacht», sagte Nadelmann und traf wohl den Kern der Arbeit der Pädagogen vor Ort.

Erfolgsgeschichte

Das Kinderdorf Kiriat Yearim versteht sich als überkonfessionelles Hilfswerk, das sich in erster Linie um benachteiligte und traumatisierte Kinder und Jugendliche in Israel sorgt. Überzeugend erzählte die Betreuerin Neama Katz, was in Kiriat Yearim Priorität hat: «Wir geben den Kindern die Möglichkeit zu träumen und eine Zukunft.» Farid Abu Gosch, Leiter der arabischen Projekte, meinte gerade mit Verweis auf seine Projekte: «Die Frauen sind der Schlüssel in unserer Arbeit bei der Erwirkung sozialer Chancen für alle.» Israel sei kein unterentwickeltes Land und doch würden 30 Prozent der Kinder hungrig zu Bett gehen. «Mit Liebe, Respekt und Zuhören gehen wir an die Projekte und versuchen, Mütter und Kinder aus allen Religionen, Kulturen und Ethnien für die Projekte zu gewinnen.» Dass dies gelingen kann, zeigt Kiriat Yearim seit 60 Jahren, in denen rund 2000 Kinder betreut, ausgebildet und erfolgreich in die Gesellschaft integriert werden konnten (vgl. tachles 9/2011).
Am vergangenen Sonntag vermochten die Verantwortlichen von Kiriat Yearim das Publikum mit einem gut organisierten, spannenden Galanachmittag überzeugend teilhaben lassen an der Arbeit mit und für Menschen, denen durch Empathie, Dialog und Liebe mit professioneller Betreuung eine Zukunft gegeben wird.