Kicken für Gott und die Welt

May 23, 2008
Ein einmaliger FC Religionen wird am 27. Mai auf einem Sportplatz in Köniz gegen den FC Nationalrat Fussball spielen.

Die Idee zu einer interreligiösen Fussballmannschaft aus in der Schweiz wirkenden Geistlichen und Gemeindeverantwortlichen entstand, als die ökumenische Aktion «Kirche 08 – am Ball seit 2008 Jahren» für die Euro 08 vorbereitet wurde. «Dieser Match setzt ein Zeichen, welches für den Dialog der Kulturen, das Mit- statt Gegeneinander und damit für ein friedliches Fussballfest steht», sagen die Organisatoren. Der Schweizerische Rat der Religionen hat das Patronat für dieses Projekt übernommen. Vor dem Spiel wird alt Bundesrat Adolf Ogi eine Ansprache über die Bedeutung des Fussballs als Friedensstifter halten.

Christliche Geistliche aller drei Landeskirchen, mehrere muslimische Imame und ein ordinierter Rabbiner wurden gefunden. Fünf andere jüdische Sportler erfüllen Aufgaben in ihren Gemeinden. Sie alle kicken am 27. Mai um 19.30 Uhr mit den Politikern des FC Nationalrat für Gott und die Welt.

Andere Mentalitäten

Ein einziges Training fand diese Woche statt; als Coach wurde der frühere Schweizer Fussballstar Andy Egli gewonnen. «Die ungewöhnliche Aufgabe hat mich gereizt», sagt Andy Egli zu tachles. «Wir werden miteinander Impulse setzen, damit deutlich wird, wie viel lässiger es ist, miteinander statt gegeneinander zu handeln. Dank den Emotionen im Spiel, die ich selber erlebt habe, entdecken die Menschen plötzlich ihre Gemeinsamkeiten, die sich auch auf das Leben auswirken und im Alltag umgesetzt werden können.»

Projektleiter David Leutwyler konnte Egli schnell überzeugen, diese einmalige Mannschaft zu trainieren. «Ich habe oft mit Menschen zu tun, die andere Mentalitäten mitbringen», so Egli. Als er noch selber in der Nationalmannschaft spielte, gab es mit Ciriaco Sforza und Kubilay Türkilmaz bereits die ersten eingebürgerten Nationalspieler. «Damals setzte ein Wandel ein», freut sich Egli. «Heute besteht die halbe Mannschaft aus Secondos. Es ist ein grossartiger Prozess, auch eine spannende Herausforderung, sich mit Gegensätzen auseinanderzusetzen. Wir erleben dies ausgeprägt im Fussball. Kürzlich spielte der FC Sion ohne einen einzigen Schweizer. Auch Ausländergegner jubeln, wenn ein Secondo für den Klub oder gar für die Schweiz ein Tor schiesst. Die Völkerzusammenführung auf dem Sportplatz ist die Fortsetzung der jahrtausendealten Wanderbewegungen der Menschheit.»

Spielen, nicht diskutieren

Von Anfang an gesetzt waren Rabbiner Arik Speaker, Rabbinatsassistent der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), Benjamin Polnauer, Sohn des Berner Rabbiners David Polnauer, und Robert Heymann, der viele Jahre lang für die Jüdische Gemeinde Bern in leitenden Positionen aktiv war. Er ist der älteste der jüdischen Delegation im FC Religionen und verfügt über viel Erfahrung aus den Fussballclubs von Bremgarten und Ettingen. «Vielleicht braucht es ja einen Goalie, dann müsste ich nicht so viel rennen», lacht er selbstironisch. Tormann war er übrigens schon oft.

Rabbiner Arik Speaker spielt seit jeher gerne Fussball. «Ich glaube fest daran, dass der Sport verschiedene Religionen verbinden kann», sagt Speaker zu tachles. «Es wird gespielt, nicht diskutiert. Und wenn diskutiert wird, dann über den Sport.» In Zürich spielt der Rabbinatsassistent regelmässig in einer der acht Mannschaften der «JLeague» (www.jleague.ch). «Mein Team heisst ‹Zottel am Spiess›», sagt er schmunzelnd.

Ebenfalls in einer Mannschaft der JLeague, aber auch beim FC Hakoah spielt Jacky Mandel, der schon als Chasan in der ICZ gewirkt hat. Zusammen mit dem aktiven jungen Fussballer Benjamin Polnauer aus Bern wird er nächstes Jahr in Israel für die Schweiz an der Makkabia spielen. Ein aktiver Zürcher Hakoah-Fussballer seit seiner Zeit als Junior ist der Jurist Ernesto Ferro, Präsident der Steuerkommission der ICZ. «Ich spiele im Sturm», präzisiert er. «Fussball ist ein wichtiger Teil meines Lebens.» Auch für Samuel Dubno, Vorstandsdelegierter der ICZ, gehört der Fussball zu seinen «drei grossen F, nämlich Familie, Fussball und Filosofie», lacht er. Auch Dubno hat schon als Junior für verschiedene Vereine gespielt.

Die sechs jüdischen Fussballer des FC Religionen freuen sich auf den Match und auf den Kontakt mit den Mitspielern aus den anderen Religionen. Sie hoffen auf möglichst viele Fans, auch aus den eigenen Reihen.

Gisela Blau

Anpfiff ist am Dienstag, 27. Mai 2008, um 19.30 Uhr auf dem Fussballplatz Liebefeld in Köniz bei Bern. Zuschauerinnen und Zuschauer sind herzlich willkommen; Eintritt frei. Ansprache von alt Bundesrat Adolf Ogi.

25. Mai, Grossmünster Zürich, 10 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst für die Freiwilligen der Euro 08. Predigt: Pfarrer Christoph Sigrist. Mitwirkung unter anderem von Bundesrat Samuel Schmid.