«Kellernazi» als Kandidatin

March 11, 2010

Die vor allem in rechtsextremen Kreisen beliebte Barbara Rosenkranz kandidiert für die österreichische Bundespräsidentenwahl.

Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), angeführt von Heinz-Christian Strache, hat für die kommende Bundespräsidentenwahl von Ende April die 51-jährige Barbara Rosenkranz als Kandidatin portiert. Die 10-fache Mutter ist seit 1993 für die FPÖ aktiv; zuerst war sie im niederösterreichischen Parlament, danach in der nationalen Volksvertretung (Nationalrat). Sie tut sich seit Längerem besonders durch ihren eifrigen Kampf gegen die Gleichstellung der Frauen hervor. Als Spitzenkandidatin bei den niederösterreichischen Landtagswahlen 2008 verdoppelte Rosenkranz die FPÖ-Stimmen auf mehr als zehn Prozent und wurde dann als Landesrätin für Baurecht und Tierschutz gewählt. Die rechtsextreme Monatszeitschrift «Die Aula» kommentierte die Wahl erfreut: Nun hätten «die heimattreuen Niederösterreicher endlich eine Stimme in der Landesregierung!» In der Tat: Rosenkranz ist eine Gallionsfigur der rechtsextremen Szene und begann ihren Wahlkampf höchst entlarvend. In einem Fernsehinterview stellte sie codiert das NS-Wiederbetätigungsgesetz in Frage, und Zweifel an den nationalsozialistischen Gaskammern betrachtete sie als «freie Meinungs­äusserung». Die Israelitische Kultusgemeinde Wien reagierte umgehend: Die Äusserung von Rosenkranz sei eine «Verhöhnung der 65 000 in der Schoah ermordeten österreichischen Juden». FPÖ-Obmann Strache ging bei der Ankündigung der Kandidatur davon aus, dass Rosenkranz «bei 35 Prozent» Stimmenanteil starten würde. Er hoffte auf Stimmen von Bürgerlichen gegen den populären heutigen sozialdemokratischen Bundespräsidenten Heinz Fischer. Öffentliche Unterstützung erhielt Rosenkranz in den vergangenen Tagen jedoch vor allem aus rechtsextremen Kreisen. Kein Wunder, denn gemäss einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte darf Rosenkranz auch als «Kellernazi» bezeichnet werden, weil sie mehrmals an rechtsextremen Veranstaltungen aufgetreten ist. Ein Detail am Rande: Auch Rosenkranz’ Ehemann Hans Jakob ist einschlägig aktiv, unter anderem als langjähriger Herausgeber eines rechtsextremen Blättchens. [HS/AM]