Keinen Sand, bitte

von Jacques Ungar, October 9, 2008

Wenn es Schulkindern gelingt, dem Postboten die Luft aus dem Fahrrad zu lassen, freuen sie sich, wie eben nur Kinder sich freuen können. An dieses Gefühl erinnerten US-Präsident Bill Clinton und Israels Premier Ehud Barak an ihrer Pressekonferenz vom Montag abend, als sie den Journalisten und damit der ganzen Welt klarmachten, dass sie die konkreten Schritte zur Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses noch nicht enthüllen wollten. Dies soll immer erst unmittelbar vor der Verwirklichung dieser Schritte geschehen. Die zwei Staatsmänner lachten sich an der Pressekonferenz häufig zu, klopften sich auf die Schultern und demonstrierten damit die gute Stimmung, die sich ganz offensichtlich im Verlauf der diversen Tête-à-têtes entwickelt hat, die die beiden innert weniger Tage absolvierten. Barak und Clinton können ruhig Geheimnisse miteinander teilen und sich an der neu gewonnenen israelisch-amerikanischen Freundschaft ergötzen. Kein Problem. Vor allem Barak aber darf sich nicht in der Illusion wiegen, seinen Leuten zuhause damit Sand in die Augen streuen zu können. Die Chancen auf einen umfassenden Frieden stehen heute besser denn je, doch ist deswegen der Preis nicht kleiner geworden. Israel wird den Golan verlassen, den Grossteil der Westbank aufgeben und den Palästinensern das Hissen ihrer Flagge auf ihrem Verwaltungsgebäude in ihrem Ost-Jerusalem zugestehen müssen. Und daran, dass der Palästinenserstaat bereits hinter der nächsten Ecke lauert, können Clinton und Barak auch mit noch so lausbübischem Gehabe nichts ändern. Wollen sie vielleicht auch gar nicht.