Keine konstruktive Diskussion
Während am 8. Mai im Zürcher Kongresshaus der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels gefeiert wurde, fand auf der anderen Seeseite im Zentrum «Karl der Grosse» eine Podiumsdiskussion zum Thema «Recht auf Rückkehr – ein Streitpunkt» statt. Dies im Rahmen einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel «Fünfmal Palästina: (K)ein Staat für die Geschundenen», welche den Feierlichkeiten eine Gegenperspektive entgegensetzen wollte. Zumindest für die Er-öffnungsveranstaltung wollten die Organisatoren eine gewisse Bandbreite an Perspektiven zulassen und luden neben dem Islamwissenschaftler Edward Ba-deen und den palästinensischen Übersetzer -Malek Ayoub auch den Projektverantwortlichen bei Medico International Schweiz, Jochi Weil, sowie NZZ-Redaktor Michael Chiller-Glaus und die iranisch-jüdische Juristin Nora Refaeli ein.
Chiller, der sich in seiner Dissertation mit dem «Recht auf Rückkehr» beschäftigt hat, forderte in seinem Votum eine pragmatische Herangehensweise an die palästinensische Flüchtlingsfrage; er verwies dabei auf die Notwendigkeit der Trennung zwischen symbolischer Anerkennung des Rückkehrrechts und dessen konkreter Verwirklichung. Eine differenzierte Sichtweise vertrat auch Refaeli, welche ausgesprochen kompetent über das komplexe Feld verschiedener Uno-Resolutionen zur Flüchtlingsfrage referierte und gleichzeitig auch die Notwendigkeit von Entschädigungen betonte. Beide benannten auch die Diskrepanz zwischen der von offizieller palästinensischer Seite immer wieder gestellten Forderung nach unbedingter Rückkehr aller Flüchtlinge beziehungsweise deren Nachkommen an die Herkunftsorte und dem Umstand, dass nur eine Minderheit in den Flüchtlingslagern diese Maximalforderung tatsächlich erhebe.
Die Perspektive der praktischen Arbeit brachte dann Jochi Weil, seinerseits bei Medico International Schweiz für Palästina und Israel verantwortlich. Er wies unter anderem auf die schwierige Situation in den palästinensischen Flüchtlingslagern hin und betonte gleichzeitig seine persönliche starke Verbundenheit mit dem Staat Israel.
Es hätte, gerade anhand solcher Perspektiven, eine interessante Diskussion werden können. Dies verhinderten jedoch die beiden palästinensischen Vertreter auf dem Podium, Ayoub und Badeen. Beide verweigerten sich der Diskussion über gangbare und für beide Seiten befriedigende Lösungsansätze in der Flüchtlingsfrage nahezu vollständig. Dies zur sich steigernden Verzweiflung von «Tages-Anzeiger»-Nahostkorrespondentin Marlène Schnieper, welche als Moderatorin in immer neuen Anläufen versuchte, den beiden ein konstruktives Statement zu entlocken. Insbesondere Badeen regierte darauf mit immer aggressiveren Schuldzuweisungen an den Zionismus im Allgemeinen und den Staat Israel im Besonderen. Sowohl Badeens wie Ayoubs Voten blieben mehrheitlich in Dämonisierung und Selbstviktimisierung verhaftet, was wohl einen Teil des Publikums durchaus zu beeindrucken vermochte, jedoch eine konstruktive Diskussion verunmöglichte. So blieb die Frage nach der Möglichkeit von Verständigung, welche die Veranstalter in der Ankündigung erhoben hatten, auch an diesem Abend unbeantwortet.
Alexander Hasgall