Keine Festtagsstimmung

von Dana Weiler-Polak, September 10, 2009
Während sich ganz Israel und Juden in aller Welt auf Rosch Haschana, das jüdische Neujahrsfest, vorbereiten, werden rund 200 000 Einwohner des jüdischen Staates bei der Vorbereitung ihrer Festmahlzeit auf die Hilfe wohltätiger Organisationen angewiesen sein.

Nicht für alle Einwohner Israels werden die kommenden jüdischen Feiertage zu rauschenden Festen mit reich gedeckten Tischen werden. Nach Angaben von Latet («Geben»), einer auf die Verteilung von Mahlzeiten an Arme spezialisierten nicht gewinnorientierten Organisation, werden vor den bevorstehenden Festtagen rund 200 000 bedürftige Einwohner Israels bei einer der zahlreichen wohltätigen Gruppen anstehen, um gratis Nahrungsmittel zu erhalten. Von einem Ende der Wirtschaftskrise, von der man in Israel bereits an allen Orten spricht, ist bei diesen Menschen wohl recht wenig zu spüren. Latet vermutet, dass sie auch dieses Jahr wieder Hunderttausende von Nahrungsmittelpaketen an Arme abgeben müssen, um diesen Menschen am Rande der israelischen Gesellschaft das Zubereiten von Festmahlzeiten zu ermöglichen. «Die Schlagzeilen von einem bevorstehenden Ende der Krise», sagte Eran Weintroub, der Leiter von Latet, «werden das Volk wahrscheinlich selbstzufrieden machen, während die Rezession für die Hunderttausenden von Bedürftigen gerade erst begonnen hat – und der Höhepunkt längst noch nicht erreicht ist.» Angesichts des drastischen Rückgangs an Spenden und der Zunahme von Armut werde seine Organisation, unterstrich Weintroub, ohne «massive öffentliche Unterstützung» nicht imstande sein, alle bedürftigen Israeli mit einer ansprechenden Festmahlzeit zu versorgen.

In einer präzedenzlosen Entwicklung haben ausserdem offizielle Wohlfahrtsbüros in ganz Israel direkt bei den privaten Organisationen um Hilfe nachgesucht. Leket Israel, die Organisation, welche diese beunruhigende Meldung verbreitete, versorgt rund 300 nicht gewinnorientierte Gruppen im ganzen Lande mit Nahrungsmitteln und Mahlzeiten zur Weiterverteilung. Nach eigenen Angaben wird sie allein diesem Monat, in den das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana fällt, etwa 100 000 Nahrungsmittelpakete unters Volk bringen. «Angesichts der derzeitigen Situation», sagte Gidi Kroch, Generaldirektor von Leket Israel, «wird unsere Organisationen vor dem Hintegrund der riesigen Nachfrage ihre Bemühungen darauf konzentrieren, Nahrungsmittel für Rosch Haschana vorzubereiten.»