Kampf
Mut hat das Leben ihr stets abverlangt: Jelena Bonner, Tochter einer jüdischen Mutter, die unter Stalin 17 Jahre ins Gulag gesperrt wurde, und eines Vaters, der Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde. Nach dem Krieg, in dem sie sich freiwillig als Krankenschwester gemeldet hatte und schwer verletzt wurde, studierte Bonner Medizin und wurde Kinderärztin.
Ihre Hoffnung auf eine politische Veränderung unter Nikita Chruschtschew endete 1968 mit dem Einmarsch russischer Truppen in Prag. Von da an wurde Bonner zu einer Kritikerin des Systems und klagte Menschenrechtsverletzungen an. Ihre Heirat mit dem Dissidenten Andreij Sacharow 1971 veränderte ihr Leben nochmals; vor allem nach Sacharows Verbannung nach Gorki war Bonner sein Sprachrohr nach aussen, bis auch sie 1984 verbannt wurde. Nach dem Tod ihres Ehemannes 1989 kämpfte sie weiter: Sie kritisierte den militärischen Einsatz in Tschetschenien, baute die Menschenrechtsorganisation Memorial mit auf und verurteilte Wladimir Putins Herrschaftsstil. Jelena Bonner starb am 18. Juni in Boston im Alter von 88 Jahren. [em]