Kairo gegen Wallfahrt zum Grab eines Rabbis
Das ägyptische Aussenministerium gab am Mittwoch bekannt, dass es Israel mitgeteilt habe, es sei aus politischen und Sicherheitsgründen «nicht am Platz», dass jüdische Pilger dieses Jahr die alljährliche Wallfahrt zum Grab des Rabbi Yaakov Abuhatzeira im Nildelta 180 Kilometer nördlich von Kairo unternehmen. Der Rabbi hatte im 19. Jahrhundert als heiliger Mann gewirkt. Nach Angaben des Ministeriums haben islamische Aktivisten ihre Absicht bekundet, die Pilgerroute zu blockieren. Schon seit einigen Jahren haben Zeremonien am Grab Abuhatzeiras zu politischem Spannungen in Ägypten geführt, weil Islamisten und Nationalisten in der Pilgerfahrt eine Politik der von ihnen nicht gewünschten Normalisierung zwischen Ägypten und Israel sehen. Die Normalisierung der Beziehungen zu Israel sei dem Volk «aufgezwungen» worden, meinte ein Sprecher der Muslimischen Bruderschaft, der grossen Siegerin der jüngsten Parlamentswahlen in Ägypten. Sobald durchsickern würde, dass jüdische Pilger unterwegs seien, wollen die Aktivisten zahlreiche Protestaktionen, wie eben die Blockierung der Route zum Grab, starten. Die ägyptische Zeitung «al-Ahram» berichtete von 31 Parteien und Gruppen, die sich der Kampagne angeschlossen hätten. Das in Los Angeles domizilierte Simon-Wiesenthal-Zentrum verurteilt die beabsichtigte Verhinderung der Pilgerfahrt. Abraham Cooper vom Zentrum beschuldigt die Muslimische Bruderschaft des Versuchs, die «Religionsfreiheit von Juden» einzuschränken. [TA]