Jüdischer Antisemitismus

von Jacuqes Ungar, October 9, 2008

In klaren Worten verurteilte ein sehr prominenter orthodoxer Rabbiner Israels den Brandanschlag vom letzten Samstagabend gegen eine Synagoge der konservativen Bewegung im Jerusalemer Ramot-Viertel. Mit seiner Bemerkung, er lehne jede Form der Gewalt ab, ging der Mann konform mit dem Sturm der Entrüstung, den das feige Attentat ausgelöst hat. Bei genauem Hinhören allerdings stellte man Nuancen fest. Der Rabbiner vermied es nämlich peinlichst, in seiner offiziellen Erklärung das Wort «Synagoge» in den Mund zu nehmen. Vielmehr beschränkte er sich laut israelischer Presse darauf, von einem «für die Gebete einer Strömung bestimmten Gebäude» zu sprechen.
Die Brandstiftung von Ramot, der Gebetbücher und Mobiliar zum Opfer fielen, lasse sich, so schreibt die «Jerusalem Post», nur mit «jüdischem Antisemitismus» umschreiben. Tatsächlich deuten Indizien darauf hin, dass die Täterschaft in charedischen (extrem orthodoxen) Kreisen zu suchen ist.
Mit Bedauern muss wieder einmal festgestellt werden, dass im jüdischen Staat die verschiedenen Strömungen des Judentums es immer noch nicht fertig gebracht haben, einen Dialog zu führen, der die Kriterien einer westlichen Kulturgesellschaft auch nur annähernd erfüllt. Aus Angst, seine Worte könnten als de facto Anerkennung der Konservativen ausgelegt werden, weigert der eingangs zitierte sehr prominente Rabbiner sich, das Gotteshaus dieser Bewegung als Synagoge zu bezeichnen. Vermutlich jugendliche Rowdies, die von der in den eigenen Reihen gezüchteten Andersdenkenden gegenüber feindseligen Stimmung aufgeputscht worden sind, sehen in einer Brandstiftung offenbar den einzigen Weg, ihrem Protest gegen eben diese Andersdenkenden Ausdruck zu verleihen. Anscheinend ist es nicht damit getan, dass feindliche palästinensische Elemente israelische Wälder und Häuser in Brand stecken. Nein, wenn Juden mit Juden nicht einverstanden sind, wird ebenfalls zur Gewalt gegriffen, denn Reden ist offenbar die Sache von Schwächlingen und Kompromisslern. Oder ist es vielmehr so, dass die feigen Helden der Nacht gar nicht mehr wissen, wie man mit Andersdenkenden diskutiert? Warnen ihre Lehrer und Pädagogen sie vor den Gefahren solcher Kontakte? Wir wissen es nicht, doch eines wissen wir: Wenn die Brachialgewalt den Dialog, die verbale Auseinandersetzung verdrängt, werden die Spuren letztlich das ganze Volk beschmutzen. Die vom Feuer erzeugte Asche lässt sich nämlich nieder, wo sie will.