Jüdischen Kunden geht es besser
Um den unter Tieren extrem ansteckenden Virus unter Kontrolle zu bekommen, haben die britischen Behörden die Bewegungsfreiheit des Viehs stark eingeschränkt. So können die Tiere nicht vom Bauernhof zum Schlachthaus transportiert werden, was für viele Metzgereien mit einem rasanten Schwund des Vorrates gleichbedeutend ist.
Ende Februar musste, wie Michael Kester, Exekutiv-Direktor des «London Board of Shechita», erklärte, die Schächt-Arbeit für einige Tage eingestellt werden. «Einige der kleineren Geschäfte waren», wie Kester hinzufügte, «während rund fünf Tagen ohne Fleisch, doch die grösseren Betriebe haben immer einen Vorrat für 10-12 Tage.» Das Problem betraf die Fleischindustrie des ganzen Landes, und nicht nur die koscheren Metzgereien, doch mit anhaltender Dauer der Krise erwies sich das Wirtschaftsverhalten der Koscher-Schlachthäuser als ein Vorteil für die Juden. Die meisten koscheren Schlachthäuser sind, wie Kester betont, klein. Deshalb ist es aus finanziellen Gründen sinnvoll, sie auch dann offen zu halten, wenn nur wenige Tiere zur Verfügung stehen. Und weil es sich bei den meisten Koscher-Schlachthäusern um Familienbetriebe handelt, die sich in der Nähe der Bauernhöfe befinden, waren sie weniger betroffen von den behördlich verfügten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Die Verfügungen verlangen eine offizielle Genehmigung, nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Fahrzeuge, die sie transportieren. Die Polizei stoppt regelmässig Viehtransporte, um die Papiere zu prüfen.
Kester schätzt, dass rund 60 Prozent der etwa 300 000 Juden Grossbritanniens koscheres Fleisch essen, doch während der Pessach-Tage dürfte der Anteil höher liegen. Auch wenn der Nachschub derzeit etwas knapp ist, dürfte er, wie Kester versichert, rechtzeitig vor dem am 7. April beginnenden Fest wieder das Normalvolumen erreicht haben. Der «London Board of Shechita» hat die Möglichkeit untersucht, Koscherfleisch aus Irland oder Frankreich zu importieren, doch wird man höchst wahrscheinlich nicht zu dieser drastischen Massnahme greifen müssen. Seit Ausbruch der Seuche hat sich nach Angaben von Kester der Konsum von Huhn unter den Koscher-Kunden wesentlich erhöht. Hühner sind immun gegen die Krankheit.¨
JTA