Jüdische Schule und Schüler?
Chance. Nun ist es so weit: Am kommenden Sonntag wird sich entscheiden, ob die Jüdische Primarschule Leo Adler (JPS) in Basel weiter existieren wird – oder ob die traditionsreiche Institution keine Zukunft mehr hat. Dieser für die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) wichtige Entscheid hängt nun allein davon ab, wie viele Kinder für das kommende Schuljahr 2012/13 an der JPS neu angemeldet werden. Sollten bis Sonntag, 6. November, nicht genügend Anmeldungen eingehen, würde dies, so Joel Weill gegenüber tachles, voraussichtlich das Ende der Schule bedeuten. Dabei hat sich die Task Force, der Weill angehört, zuletzt engagiert um den Fortbestand der Schule bemüht. Im Mai wurde den Gemeindemitgliedern ein neues Konzept für die finanziell stark unter Druck stehende JPS präsentiert, das von der Task Force als «riesige Chance» bezeichnet wurde. Die «neue jüdische Primarschule Leo Adler» sollte mit der Privatschule Academia aus Basel zu kooperieren – eine gemeinsame Schulleitung sollte einen optimalen Schulbetrieb sichern (vgl. tachles 20/11).
Zweifel. Wie Weill betont, hat in der vergangenen Woche ein Elternabend stattgefunden, um erneut über das interessierte Publikum über die Schule zu informieren und «Zweifel auszuräumen». Rund ein Dutzend Eltern seien anwesend gewesen – bis Redaktionsschluss am Mittwochabend waren aber erst zwei definitive Anmeldungen eingegangen. Da der Unterricht in der geplanten neuen Schule klassenübergreifend mit maximal acht bis neun Kindern pro Gruppe stattfinden soll, werden nicht sehr viele Anmeldungen von Erstklässlern benötigt; bei zu wenigen Anmeldungen hätte die «neue JPS» aber keine Chance.
Tragik. Es ist tragisch, dass die Entscheidung von rund einem Dutzend Eltern nun über die Zukunft oder das Ende der JPS entscheiden wird. Jahrelang wird schon innerhalb der Gemeinde über die Existenz der Schule debattiert (tachles berichtete), die vor genau 50 Jahren vom damaligen Rabbiner der IGB Leo Adler gegründet wurde. Viele Jahre passierte wenig – zu wenig – von Seiten der Verantwortlichen. Tragisch ist auch, dass in Zeiten, in denen die Finanzierung der JPS nicht mehr gesichert war, auf Geheiss der IGB der Fonds aufgebraucht wurde, der an sich für den Fall einer Schliessung der Schule gedacht gewesen war – um ein Auslaufen der bereits existierenden Klassen zu garantieren. Denn was mit den Kindern geschieht, die die JPS zurzeit besuchen, wäre im Fall einer baldigen Schliessung nicht klar. «Ich hoffe nicht, dass dieser Fall eintritt», so Weill, «aber in diesem Fall müsste die Gemeinde zu ihrem Wort stehen und die notwenige finanzielle Unterstützung geben.»
Hoffnung. Die wenigen Eltern der schulreifen Kinder müssen nun entscheiden, ob sie die jüdische Primarschule unterstützen wollen – oder eben nicht. Noch besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Kooperation mit der Academia im kommenden Sommer starten kann. Wenn dies aber nicht der Fall sein sollte, dann ginge der IGB eine Institution verloren, die in der Vergangenheit immer wieder als das «Herzstück der Gemeinde» bezeichnet wurde. Wenn kaum noch Eltern Vertrauen in die jüdische Primarschule der Gemeinde setzen, müssten sich die Verantwortlichen innerhalb der IGB die Frage gefallen lassen, ob sie in den vergangenen Jahren tatsächlich genug Engagement gezeigt haben, um der Institution einen sicheren Weg in die Zukunft zu ebnen. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, ob Eltern und Gemeindemitglieder, die immer wieder eine jüdische Schule fordern, ihre Kinder auch dort anmelden, und ob, wie es im Obligatorium steht, jüdische Gemeindeangestellte ihre Kinder auch tatsächlich in die JPS und nicht in die Schule der Israelitischen Religionsgesellschaft Basel senden.